Ärzte Zeitung online, 28.11.2010

Niedersachsen startet Pilotprojekt zu Familienhebammen

HANNOVER (dpa). Als erstes Bundesland hat Niedersachsen eine staatlich anerkannte Weiterbildung für Familienhebammen eingeführt. Um den ab sofort geschützten Berufstitel tragen zu dürfen, müssen Geburtshelfer künftig eine Weiterbildung von 400 Stunden nachweisen - bisher waren nur 170 Stunden Plicht.

"Unser Ziel ist, Familienhebammen als feste Partnerinnen in der Jugendhilfe zu etablieren", sagte Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) der Nachrichtenagentur dpa in Hannover. Erste Weiterbildungsgänge sollen im April 2011 beginnen.

Bislang umfasste die Ausbildung nur 170 Stunden. Bereits ausgebildete Familienhebammen müssen deshalb eine verkürzte Zusatzweiterbildung absolvieren, um die Berufsbezeichnung weiterhin nutzen zu dürfen.

Familienhebammen betreuen schwangere Frauen, Mütter und deren Kinder, die besonderen gesundheitlichen oder sozialen Risiken ausgesetzt sind. Dazu zählen Alkohol- und Drogenabhängige genauso wie Alleinerziehende, Ausländer, Behinderte, minderjährige Mütter, Straftäterinnen und Opfer von Vergewaltigungen.

Die Hebammenbetreuung endet zudem nicht wie im Regelfall acht Wochen nach der Geburt, sondern kann bei Bedarf bis zum Beginn des zweiten Lebensjahrs fortgesetzt werden. Nach den Worten von Özkan sollen künftig in jeder niedersächsischen Kommune Familienhebammen zum Einsatz kommen.

Die Mütter werden in der Regel zu Hause betreut. Neben den normalen Hilfeleistungen (Geburtsbegleitung, Nachsorge, Ernährungsberatung) achten die Familienhebammen vor allem auf die Förderung der Selbsthilfe der Mütter. So soll etwa durch die Vermittlung an Erziehungsberatungsstellen, Sozialämter, Ärzte und Psychologen eine optimale Unterstützung der Familien und Kinder sichergestellt werden.

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