Ärzte Zeitung online, 22.12.2010

Systemausstieg: Erst Beschwörungen, Debatten - dann Entscheidung vertagt!

NÜRNBERG (sto/gwa). Was wird mit dem Systemausstieg in Bayern? Gegen 19:20 Uhr an diesem entscheidenden 22. Dezember ist die Abstimmung noch voll im Gang. Der Ausgang: noch ungewiss. Dann eine neue Wendung. Gegen 19:30 Uhr bietet der Vorsitzende des Bayerischen Hausärzteverbandes (BHÄV), Dr. Wolfgang Hoppenthaller an, per Korbmodell die Entscheidung über den Systemausstieg auf Ende Januar 2011 zu verschieben.

Systemausstieg: Erst Beschwörungen, Debatten - dann Entscheidung vertagt!

Tausende waren nach Nürnberg zur Abstimmung gekommen - am Ende wurde die Entscheidung über den Systemausstieg verschoben.

© Wolfgang Geyer

Vor der Abstimmung schwor Hoppenthaller die Anwesenden auf die Abstimmung ein. Es sei eine epochale Entscheidung, die anstehe.

Dann attackierte er Regierung und Kassen. In Nürnberg seien keine 7000 Chaoten, sondern verantwortungsvolle Ärzte und Ärztinnen, die sich aufopferungsvoll um ihre Patienten kümmerten und das Rückgrat der ambulanten Versorgung seien.

Und der BHÄV-Chef wiederholte die Forderungen:

• eigene Tarifhoheit für die Hausärzte

• Verträge mit langjähriger Laufzeit für Planungs-und Praxissicherheit

• gleichlautende Verträge für alle Praxen, um Bürokratie zu vermeiden.

Hoppenthaller forderte die Anwesenden auf, keine Angst zu haben, sondern zusammen zu stehen und gemeinsam das System zu verlassen. Wer in der KV bleibe, müsse mit Regelleistungsvolumina von 10 bis 12 Euro pro Patienten und Monat rechnen.

Doch bis 19:36 Uhr waren erst 2745 Stimmen für den Ausstieg zusammen gekommen. Daraufhin bot Hoppenthaller die Umwandlung in Korbmodell. Das heißt, die bayerischen Hausärzte können noch bis Ende Januar eine Verzichtserklärung abgeben.

Die Entscheidung über den Systemausstieg ist also vertagt - der Ausgang bleibt weiter ungewiss.

Lesen Sie dazu auch:
Systemausstieg zunächst gescheitert - Entscheidung soll am 18. Februar fallen

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Berufspolitik (17891)
[22.12.2010, 20:46:53]
Dr. Jürgen Schmidt 
Da haben wir die Bescherung
Pünktlich zum Fest muss man feststellen, dass der BHÄV seine Anhänger trotz wochenlanger Einpeitschung mehrheitlich nicht hinter sich hat und deshalb die Konsequenzen ziehen sollte.
Auch der Bundesvorstand, der diese lebensgefährliche Aktion in fahrlässiger Weise unterstützt hat, muss soviel berufspolitisches Lehrgeld zahlen, dass der Konkurs droht, denn gegenüber Krankenkassen und Gesetzgeber ist ein nicht wieder gut zu machender Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust eingetreten. Berufspolitisch ist die Aktion als realitätsferne Kraftmeierei zu werten und damit als Schwächezeichen ohne gleichen.

Diese Schnapsidee, die Zulassung ohne Netz und doppelten Boden zurück zu geben, wird bei den bedauernswerten Kollegen, die diesen Schritt in Sektlaune vollzogen haben, in Katerstimmung enden.

Ärztliche Zuschauer, die sich unbeteiligt wähnen, täuschen sich über die Folgen, die sich in zukünftiger, restriktiver Gesetzgebung niederschlagen wird.

Einstweilen kann man nur feststellen: Da haben wir die Bescherung!
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