Ärzte Zeitung online, 06.01.2011

Pathologen fordern Aufnahme von Obduktionen in Klinik-Qualitätsberichte

KÖLN (iss). Die Obduktionstätigkeit der Krankenhäuser sollte Bestandteil der gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätsberichterstattung sein. Das fordert der Berufsverband Deutscher Pathologen. "Angaben zu Sektionsfrequenz und -ergebnissen gehören in den Qualitätsbericht", sagt Verbandspräsident Professor Werner Schlake.

Pathologen fordern Aufnahme von Obduktionen in Klinik-Qualitätsberichte

Seziertisch: Pathologen fordern, die Ergebnisse von Obduktionen in die Qualitätsberichte der Kliniken mit aufzunehmen.

© Michael Westermann / imago

Die diagnostischen Fähigkeiten der Klinikärzte und die Versorgungsqualität in den Häusern stiegen mit der Zahl der Obduktionen. Deshalb empfiehlt Schlake Patienten: "Gehen Sie dorthin, wo viel obduziert wird."

Die klinischen Sektionen dienten dem Erkenntnisgewinn und trügen wesentlich zur Qualitätssicherung in der Medizin bei, betont Verbandsgeschäftsführerin Gisela Kempny. Der Verband fordere seit langem, dass sie auch bezahlt werden. Zwar erhielten die Kliniken mit den diagnosebezogenen Fallpauschalen auch einen kleinen Zuschlag für die Qualitätssicherung. Das reiche aber nicht aus, um die Krankenhäuser zu einer hohen Obduktionsfrequenz zu motivieren, sagt Kempny. "Obduktionen müssen gesondert vergütet werden."

Die Obduktionsergebnisse des Krankenhauses Görlitz belegen nach Angaben des Berufsverbands, dass sich die Qualität der klinischen Diagnostik in den vergangenen Jahren verbessert hat. Während in dem Krankenhaus im Jahr 1987 nur bei 41 Prozent der Sektionen die klinische Diagnose mit dem Obduktionsbefund voll übereinstimmte, waren es in den Jahren 2005 bis 2007 schon 60 bis 62 Prozent. Die Zahl der Fehleinschätzungen - es gibt also überhaupt keine Übereinstimmung zwischen Diagnose und Obduktionsbefund -sank von 1987 bis 2007 von 37 Prozent auf 18 Prozent.

"Die Diagnosesicherheit bei den zum Tode führenden Krankheiten hat sich gebessert - so viel kann man erfreut sagen", betont Schlake. Erhöhte Diagnosesicherheit sei die Voraussetzung für größere Behandlungssicherheit.

Allerdings geht der Pathologe davon aus, dass sich die Qualität nur dort verbessert, wo auch viel obduziert wird. Die Görlitzer Klinik hat eine Sektionsfrequenz von über 30 Prozent - das ist viel mehr als in den meisten anderen Häusern. Schlake vermutet, dass die diagnostischen Fähigkeiten der Ärzte des Görlitzer Krankenhauses besser geschult sind als in Kliniken, in denen Obduktionen die Ausnahme sind. Die Aufnahme des Autopsiereports in die Qualitätsberichte sei deshalb notwendig, um die Qualität vergleichbar zu machen.

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