Ärzte Zeitung, 10.01.2011

Streit um Hausarztverträge: Ärztekammer Bayern sieht Politik und Kassen am Zug

Im Streit um Hausarztverträge dringt Kammer-Chef Kaplan darauf, Ärzten neue Wege im KV-System aufzuzeigen.

Ärztekammer Bayern sieht Politik und Kassen am Zug

Kammerpräsident Kaplan: "Überbordende Bürokratie und ein immer unüberschaubareres Honorarsystem verleiden allen Ärzten die Freude an ihrem Beruf."

© BLÄK

MÜNCHEN (sto). In der Auseinandersetzung um Hausarztverträge und Systemausstieg in Bayern sind nach Ansicht der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) jetzt Politik und Krankenkassen gefordert.

Nach der fristlosen Kündigung der Hausarztverträge in Bayern durch die Krankenkassen und dem Scheitern der vom Bayerischen Hausärzteverband (BHÄV) vorangetriebenen Rückgabe der Kassenzulassungen der Hausärzte müssten Politik und Kassen jetzt Wege aufzeigen, wie die Hausärzte innerhalb des GKV-Systems ihre berechtigten Interessen gewahrt sehen können, erklärte Kammerpräsident Dr. Max Kaplan in München.

"Überbordende Bürokratie und ein immer unüberschaubareres Honorarsystem verleiden allen Ärzten die Freude an ihrem Beruf", sagte Kaplan, der selbst Hausarzt ist.

Die Nürnberger Versammlung habe deutlich auch die Unzufriedenheit der Hausärzte mit den Rahmenbedingungen der ärztlichen Tätigkeit zutage gebracht.

"Wenn rund 4700 Ärzte zu einer Protestveranstaltung anreisen und 2801 gar zu einem Systemausstieg bereit sind, ist dies ein deutliches Alarmsignal", so Kaplan.

Ziel müsse schnellstmöglich eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und eine Lösung für eine adäquate Honorierung aller Ärzte in Bayern sein. Nur dann könne die wohnortnahe ärztliche Versorgung gesichert und der regional bereits vorhandene Ärztemangel abgewendet werden.

Zugleich wies Kaplan eindringlich darauf hin, dass die Gesetzlichen Krankenkassen nach dem Gesetz nach wie vor verpflichtet sind, Verträge zur hausarztzentrierten Versorgung abzuschließen.

Wie berichtet, will Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) im Streit um die Hausarztverträge Krankenkassen und Hausärzte bei einer öffentlichen Verhandlungsrunde im Bayerischen Landtag am kommenden Freitag wieder an einen Tisch bringen.

[11.01.2011, 16:50:31]
Dr. Gerhard Richter 
Mitgliedschaft in den KVen.
Die Gewaltenteilung des Art 20 Abs. 2 GG gilt ganz sicher auch für alle juristischen öffentlich-rechtlichen Personen im Gesundheitswesen, also Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen, um friedliche Menschen vor deren Fehlern zu schützen. Bei den KVen, bei denen die als Punktwertverfall euphemisierte Zahlungsunfähigkeit sich seit Ewigkeiten verschlimmert, sind nicht mehr die Exekutive und Legislative, sondern die Jurisdiktion zuständig. Den für Insolvenzen zuständigen Amtsgerichten, und nicht mehr den immer wieder von Zahlungsunfähigkeit bedrohten Krankenkassen und der Regierung, die bei dieser mutmaßlichen Insolvenzverschleppung hilft, ist gesetzlich die Entscheidung überlassen, wie lange deutsche Bürger noch der KV als einer halbstaatlichen Bank, die nur noch ein Drittel der Forderungen erstatten kann, gegen ihren erklärten Willen angeschlossen werden dürfen.
Dr, Gerhard Richter
Bismarckstr. 265
45889 Gelsenkirchen
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