Ärzte Zeitung, 26.01.2011

"Reine Ärztenetze sind bald Vergangenheit"

Ärzte werden künftig immer enger mit anderen Berufsgruppen und Ehrenamtlichen zusammenarbeiten müssen, sagen Experten voraus.

Von Dirk Schnack

"Reine Ärztenetze sind bald Vergangenheit"

Gegenseitige Hilfe erleichtert die Patientenversorgung.

© Insadco / imago

KIEL. Vernetzt, interdisziplinär und in Kontakt mit ehrenamtlichen Kräften: So werden niedergelassene Ärzte nach Ansicht von Experten künftig die ambulante Versorgung sichern.

Auf dem Kongress Vernetzte Gesundheit in Kiel prophezeiten Experten eine Versorgung, die deutlich mehr von Kooperationen geprägt sein wird. Dabei wird es nicht mehr genügen, sich nur mit Kollegen zu vernetzen.

"Reine Ärztenetze werden bald der Vergangenheit angehören", sagte Schleswig-Holsteins Kammerpräsident Dr. Franz-Joseph Bartmann zum Auftakt der von der Landesregierung veranstalteten Konferenz.

Bartmann erwartet, dass Ärzte sich künftig stärker mit anderen Berufen, die in der Gesundheitsversorgung tätig sind, abstimmen.

Damit die Verbünde vor Ort leistungsfähig werden, benötigen diese nach seiner Beobachtung mehr finanzielle Unterstützung. Derzeit seien die Verbünde mehrheitlich vom Idealismus der Mitglieder getragen.

Gesundheitsökonom Professor Fritz Beske prophezeite angesichts der demografischen Entwicklung eine Stärkung des ehrenamtlichen Engagements.

Längst nicht alle der heute absehbaren Versorgungsleistungen könnten von qualifizierten Fachkräften erbracht werden. Auch Andreas Meusch von der Techniker Krankenkasse warnte davor, nur auf eine Akademisierung von Gesundheitsberufen zu setzen.

"Wir brauchen einen niedrigschwelligen Einstieg in die Berufe", forderte Meusch. Damp-Chef Dr. Carl Hermann Schleifer hält Lösungen für zwingend notwendig, die Ärzten die Konzentration auf ihre Kernaufgaben ermöglicht.

Um möglichst vielen Nachwuchsmedizinern den Eintritt in den Beruf zu ermöglichen, sollten MVZ ihren Beitrag zur fachärztlichen Ausbildung leisten.

Unstrittig war unter den Experten, dass künftig deutlich stärker als bislang über die Sektoren hinweg kooperiert werden muss. Dabei werden Telematik und Telemedizin eine wichtige Rolle spielen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

So hoch ist die Lebenserwartung in der Welt

Wer als Junge in Deutschland geboren wird, darf sich im Schnitt auf 78 Jahre freuen. Wie hoch ist die Lebenserwartung in anderen Ländern der Welt? Wir geben die Antwort. mehr »

Pflege-Eigenanteil deckeln!

16:41Viele Bürger beklagen, dass Pflegeheime teuer sind, berichtet die DAK in ihrem Pflegereport. Kassenchef Storm schlägt nun vor, den Eigenanteil zu beschränken. Das entflammt eine neue Debatte über die Pflege-Finanzierung. mehr »

Der Gesundheitsminister will das E-Rezept

Krankenkassen, Ärzte und Apothekerschaft sollen in ihren Rahmenverträgen das elektronische Rezept ermöglichen. Eine gesetzliche Verpflichtung soll bis 2020 stehen. mehr »