Ärzte Zeitung, 01.02.2011

Prestigeobjekt könnte Kieler Praxen Patienten kosten

Niedergelassene Ärzte fordern vom Nordeuropäischen Radioonkologischen Centrum Kiel (NRoCK) mehr Transparenz.

KIEL (di). Für das Land Schleswig-Holstein und für das Universitätsklinikum ist es das Prestigeprojekt überhaupt: Im 250 Millionen Euro teuren NRocK sollen ab 2012 onkologische Patienten aus dem Ostseeraum behandelt werden. Vorstand und Geschäftsführung schwärmen von Innovation, Technik und Wissenschaft - haben dabei aber bislang vergessen, die niedergelassenen Ärzte mit ins Boot zu holen.

Dies wurde auf einer Informationsveranstaltung des Regionalen Kieler Praxisnetzes (RPN) deutlich, als die Ärzte den NRocK-Verantwortlichen einen umfangreichen Fragenkatalog vorlegten, auf den sie bislang Antworten vermissen.

Sie befürchten, dass das UK S-H Medizinische Versorgungszentren und Genehmigungen nach Paragraf 116b an das NRocK andockt. Zugewiesene Patienten befürchten sie "nie wieder zu sehen". Und: Sie vermissen eine Garantie, dass der zwischen vdek und NRocK geschlossene Vertrag später zu Lasten des ambulanten GKV-Topfs gefüllt wird.

Neben den Kieler Netzärzten fühlt sich auch der Verein der Strahlentherapie Schleswig-Holstein, in dem die Chefärzte der Strahlenzentren und niedergelassene Ärzte zusammengeschlossen sind, vom NRocK nicht ausreichend informiert.

Als großes Manko hat die Vereinsvorsitzende Dr. Dagmar Linde-Stoltenberg fehlende Transparenz ausgemacht. "Was wissen wir über die Organisation, über die Abrechnung? Verlieren andere Ärzte deswegen Patienten", fragte Linde-Stoltenberg auf der Netzveranstaltung.

Nach ihrer Beobachtung wird die Diskussion über das NRocK bislang nur auf wissenschaftlicher Ebene geführt - auch dazu vermisst sie aber noch Studiendesigns. Sie forderte einen verbindlichen Kooperationsvertrag, in dem das Zusammenspiel zwischen NRocK und niedergelassenen Ärzten auf Augenhöhe festgehalten ist.

Professor Bernd Kremer vom NRocK räumte auf Nachfragen der Netzärzte ein, dass rund 90 Prozent der geplanten Leistungen ambulant erbracht werden sollen.

Er erwartet rund 3000 GKV-Patienten jährlich, die aber auch aus benachbarten Bundesländern kommen werden. Vereinbart wurde zumindest, sich erneut zu treffen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Demenz in D-Moll

Mit Demenzpatienten im Konzert? Viele Angehörige scheuen das. Das WDR-Orchester bietet beiden eine ganz besondere Konzertreihe - mit drei verschiedenen Formaten. mehr »