Ärzte Zeitung online, 08.04.2011

Ärger um Gehalt für Andreas Köhler

BERLIN (ami/af). 35 Prozent mehr Gehalt für Vorstand Andreas Köhler. Da waren die Delegierten auf der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung am Freitag stinksauer.

Wie die "Ärzte Zeitung" aus der hinter verschlossenen Türen tagenden Versammlung erfuhr, habe eine "ätzende" Stimmung geherrscht.

Der Grund: Es war bekannt geworden, dass der neue Vorsitzende der Versammlung, Hans-Jochen Weidhaas, gemeinsam mit den Mitgliedern des Ausschusses für Vorstandsangelegenheiten mit Köhler über dessen künftiges Gehalt verhandelt hatten. Dabei war ihm ein Plus von 35 Prozent zugestanden worden.

Dieses Vorgehen entspricht der Geschäftsordnung und ist nach Aussage von Mitgliedern der Vertreterversammlung satzungsgemäß. Vor einem Jahr war bekannt geworden, dass Köhlers Bezüge 2009 bei rund 260.000 Euro gelegen hatten.

Ärzte reagierten in Internetforen mit Unverständnis. "Wo bleiben unsere 35 Prozent mehr Honorar", lautete ein häufiger Kommentar.

[15.04.2011, 23:25:33]
Dr. Jürgen Schmidt 
Blick- Richtung
Wer sich – in einer freien Minute – eingesteht, dass seine Niederlassung nicht ein Akt individueller Gnade war, die eigene Arbeitskraft der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen, sondern die Zulassung zu einem Sozialsystem, dessen Regeln und Schwächen man hätte kennen und einschätzen können - mit Realitätssinn also – wird die Leistung der ärztlichen Selbstverwaltungsorgane an anderen Maßstäben messen – voraus gesetzt, auch die immensen Kräfte der Gegenseite werden berücksichtigt - - und das, was hätte schief gehen können.

So denken die deutschen Ärzte (mit einigen Jahren Erfahrung) – und das möchte ich der sehr verehrten Frau Kollegin Bauer ins Poesiealbum schreiben – per Saldo mehrheitlich.

Zur Zeit - so die Mehrheit - befindet sich die Ärzteschaft auf dem aufsteigenden Ast, nämlich dort, wo sie schon einmal war, bevor fehlende Urteilskraft, Selbstüberschätzung und Spaltung (!) das berufspolitische Blatt zu Ungunsten der Ärzte wendeten.

Die Ärzte und zwar besonders die niedergelassenen befinden sich an einem Scheideweg zwischen Selbstzerfleischung (auch ihrer Organe und Repräsentanten) oder der unspektakulären Fortsetzung eines Weges, der honorarpolitisch erfolgreich war und zugleich ( ! ) das Ansehen des Standes gestärkt hat.

Im Übrigen sind die politischen Projektionsflächen für persönlichen Mißerfolg und Unbill natürlich weit gespannt, dafür sind die Kommentarspalten ja ein beredtes Beispiel.
Dass es sich um einen der ältesten Kulturberufe handelt, ist den Meinungsäußerungen der Basis nur selten zu entnehmen, - leider!
 zum Beitrag »
[14.04.2011, 13:39:34]
Dr. Birgit Bauer 
Lieber Kollege Schmidt,
Wer hat sich hier reflexhaft empört?
ich habe nur festgestellt, das unsere Selbstverwaltunggremien das machen was ihnen zusteht, eben sich mit sich selbst beschäftigen.In all den Jahren als Niedergelassene habe ich nicht eine sinnhafte Regelung von der KBV erlebt. Ärztliche Intressensvertretung Fehlanzeige ! Im trauten Einklang mit den Kassen Zerstörung des Arztberufes.Immer unsicherere Finanzierungssituationen für die Praxen.
Glauben Sie wirklich dass die Strukturen der 70-er Jahre in Zukunft noch realistisch sind ?
Meinen Sie das an unseren derzeitigen Strukturen noch irgend etwas zukunftsfähig ist ?
Sie hängen offensichtlich ihren bisher gekannten Strukturen samt
finanzieller Strukturierung nach.Die werden nicht wiederkommen.
Ich finde es einen Skandal, wenn politische Gremien - hier Bundestag- dem Bürger, den sie eigentlich vertreten sollten, mit immer neuen Gesetzen immer höhere Abgaben aus den Taschen ziehen und dann die sachgerechte Verwendung nicht kontrollieren. Auch die Selbstbedienungsmentalität in Kassenvorständen , Aufsichtsräten, egal in welchem Bereich des öffentlichen Lebens ist verwerflich, besonders in den Bereichen wo es in unserem Land angeblich ein Solidarprinzip geben soll.
Ich gebe ihnen Recht, das in einem rein marktwirtschaftlichen System Vorgaben unterbleiben sollten. Ich kann dies aber in einem System mit Pflichtabgaben, Pflichtmitgliedschaften und starren von politischen Strukturen vorgegebenen Regulierungen nicht erkennen.
Deutschland mutiert in diesem Bereich offensichtlich zu einem Land der Raffkes .
M.f.G. B.Bauer  zum Beitrag »
[13.04.2011, 19:30:54]
Elmar Kretschmer 
35% Gehaltsplus für Dr. Köhler
Ich bin entsetzt und empört! 35% Plus ! Wofur ??
Für einen Umsatzrückgang seit 1996 von 50 PROZENT!!!!;
bei gestiegener Arbeitsleistung und ausufernder Bürokratie,
zur Arbeitserleichterung der Krankenkassen ????
Weiter so Kollege Köhler !!!! Unsere jungen,noch 30 Jahre
im Praxisbereich arbetenden Kollegen werden Ihnen dankbar sein.
Mit kollegialem Gruß
Elmar Kretschmer  zum Beitrag »
[13.04.2011, 11:33:50]
Dr. Jürgen Schmidt 
Nachgefragt
Darf man angesichts der reflexhaft erfolgten Empörung mal nachfragen?

1. Haben die Kommentatoren die amtlich gebotene Statistik der Vorstandgehälter aller deutscher KVen im Deutschen Ärzteblatt gelesen und festgestellt, dass - gemessen an diesen - die KBV-Vorstandgehälter bislang im unteren Mittelfeld lalgen ?

2. Darf man sich wirklich wünschen, dass eine "Rechtsaufsicht" ( gemeint ist wohl eine - gesetzlich allerdings nicht zulässige - Fachaufsicht ) die Gehälter der KV-Vorstände bestimmt ?.

3. Wäre es sinnvoll, oder gar geboten, die Gehälter der KV und KBV-Vorstände deutlich unterhalb der Krankenkassenvorstände anzusiedeln ?

4. Sind die Einkommenstatistiken deutscher Ärzte nicht bekannt ?

Abschließend eine Anmerkung: In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts konnte ein genügsam lebender Kassenarzt sich von den Überschüssen seines Jahreseinkommens eine Zweizimmerwohnung kaufen. Heutzutage schaffen selbst fleißige dies nicht. zum Beitrag »
[12.04.2011, 13:35:14]
Dr. Birgit Bauer 
Bananenrepublikmäßiger Selbstbedienungsladen- "Selbstverwaltungsgremien der deutschen Ärzteschaft
Warum aufregen, schließlich heißen die Gremien ja auch Selbstverwaltungsgremien , ergo sie machen das was sie sollen - sich selbst verwalten und maßlose Vorteilsnahme praktizieren !
Ein Skandal ist allerdings, das die Rechtsaufsicht der Körperschaft des öffentlichen Rechts tatenlos derartigen Machenschaften zusieht.
Wann merkt endlich die Politik, dass diese Art Selbstverwaltung schon seit Jahren nicht mehr funktioniert ?
Ein Blick in das Chaos des deutschen Gesundheitswesen düfte doch eigentlich für einen mittelmäßig intelligenten Menschen genügen.
M.f.G. B.Bauer zum Beitrag »
[11.04.2011, 22:45:33]
Dr. Frank Schlüter 
35 Prozent mehr Gehalt für Vorstand Andreas Köhler
Man ist einfach fassungslos! Dieser Herr, den mittlerweile wohl die Mehrzahl der niedergelassenenen Ärzte als Ihren Gegner empfinden (s. EBM-Refom Desaster, AKR u.s.w.) meint anscheinend, sich ungestraft alles herausnehmen zu können. Vermutlich hat er damit sogar leider Recht. zum Beitrag »

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