Ärzte Zeitung, 24.05.2011

Daten sammeln für gute Argumente

Ein Ärztenetz aus Rheinland-Pfalz will Daten zu AU-Tagen und Klinikeinweisungen sammeln und auswerten, um sich für Selektivverträge zu empfehlen.

Daten sammeln für gute Argumente

Senkt die Arbeit im Netz die Zahl der AU-Bescheinigungen?

© Leitner / fotolia.com

KAISERSLAUTERN (mm). Niedergelassene Ärzte eines kürzlich gegründeten Ärztenetzes in Rheinland-Pfalz wollen erstmals genau dokumentieren, wie viele Klinikeinweisungen sie im Quartal veranlassen und wie viele Arbeitsunfähigkeitstage sie ihren Patienten bescheinigen.

Diese Zahlen sollen quartalsweise an die KV weitergeleitet werden und später wieder den Ärztenetzen der Region zukommen.

"Unser Ziel ist es, Ärztenetze bei ihren Verhandlungen mit den Krankenkassen zum Thema Selektivverträge zu unterstützen", sagt Dr. Michael Siegert. Der Allgemeinarzt aus Trier geht davon aus, dass durch die Zusammenarbeit der Netzärzte die Zahl der AU-Tage sowie der Klinikeinweisungen deutlich zurückgehen wird.

Siegert hatte bereits in der letzten Legislaturperiode als Vorstandsmitglied der KV Rheinland-Pfalz das Thema Versorgungsforschung vorangetrieben. Der Vorsitzende von MEDI-Südwest Dr. Ralf Schneider begrüßt das neue Projekt: "Es stellt eine große Unterstützung für Netze in der Aufbauphase dar", so der Allgemeinarzt aus Alzey.

Noch soll der Name des beteiligten Ärztenetzes nicht bekannt gegeben werden, auch die Kassenärztliche Vereinigung will sich zum jetzigen Moment zu dem Projekt nicht äußern. "Es handelt sich um Haus- und Fachärzte, die in ihrem kürzlich gegründeten Ärztenetz untereinander eine sehr hohe Verbindlichkeit festgeschrieben haben und sehr professionell organisiert sind", berichtet Siegert.

Im Zuge des neuen Projektes kommt auf die Netzärzte fürs Erste wohl kein allzu großer Mehraufwand zu. Mit einem vernünftigen Praxisverwaltungssystem liegt dieser maximal bei 20 bis 30 Minuten im Quartal, um diese zusätzlichen Daten digital weiterzugeben, schätzt der Allgemeinarzt.

Siegert hält es in diesem Zusammenhang für sinnvoll, wenn die KV im Sinne des Dienstleistungsgedankens zudem für Ärztenetze eine vergleichende Analyse der bei ihr vorliegenden Verordnungs- und Honorardaten liefert. Der MEDI-Mann fordert dabei, zur Identifizierung von Netzärzten das bei der KV vorhandene Arztregister um entsprechende Datenfelder zu erweitern.

Bei der Weiterentwicklung der Datengrundlagen wie auch bei Fragen der Datenanalyse steht den Medizinern in Rheinland-Pfalz die Universität Trier als wissenschaftlicher Begleiter zur Seite. Mit ihr hat die KV im letzten Jahr ein Kooperationsabkommen geschlossen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Besser, aber nicht teurer?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »