Ärzte Zeitung, 08.06.2011

Orthopäden planen Klage wegen RLV-Absturz

Seit die Orthopäden in Nordrhein nicht mehr gestützt werden, setzt sich der Sinkflug ihres Regelleistungsvolumens fort. Die KV will eine Regelung im Rahmen des EBM, deren Chancen sind ungewiss.

Von Ilse Schlingensiepen

Orthopäden planen Klage wegen RLV-Absturz

Weniger statt mehr: Das RLV der Orthopäden ist zuletzt von 23,96 auf 21,03 Euro gesunken.

© Emil Umdorf / imago

KÖLN. Orthopäden in Nordrhein erwägen, juristisch gegen die KV Nordrhein (KVNo) vorzugehen. Grund ist die Tatsache, dass in Nordrhein trotz der niedrigen Regelleistungsvolumina (RLV) die Fachgruppe nicht mehr gestützt wird. Seit dem zweiten Quartal 2011 stützt die KVNo unabhängig von der Fachgruppe alle Praxen, die bei Fallwert oder Honorar mindestens zehn Prozent unter den Werten des Vergleichsquartals 2008 liegen.

Im dritten Quartal 2011 sinkt das RLV der Orthopäden von 23,96 Euro auf 21,03 Euro. "Mit dem, was wir als Regelleistungsvolumen und an Zuschlägen bekommen, kann ich meine Praxis nicht wirtschaftlich betreiben", sagt Dr. Wolfgang Mertens, Vorstand des Ärztenetzes orthonet-NRW, der "Ärzte Zeitung".

Die GKV-Einnahmen deckten gerade einmal die Betriebskosten. Vertragsärzten müsse es aber möglich sein, von der GKV-Tätigkeit zu leben. Nicht alle Kollegen könnten auf nennenswerte Privateinnahmen zurückgreifen.

"Wir haben durch die letzte EBM-Reform hohe Umsatzverluste hinnehmen müssen, die wir im Gegensatz zu anderen Fachgruppen nicht ausgleichen können", sagt Mertens. Zwar sei das nicht Schuld der KVNo, sagte Mertens. Durch die Beschlüsse des Bewertungsausschusses vom Januar sei sie aber verpflichtet, mit den Kassen für bestimmte Arztgruppen Ausgleichsmaßnahmen für hohe Honorarverluste zu vereinbaren.

Dazu zählten auch die Orthopäden. Mertens hat kein Verständnis dafür, dass die KVNo die Stützung für die betroffenen Fachgruppen eingestellt hat. "Damit kamen wir wenigstens halbwegs zurecht." Das orthonet-NRW werde seinen Mitgliedern wahrscheinlich empfehlen, gegen die KVNo zu klagen, kündigt er an.

KVNo-Vorstand Bernhard Brautmeier hat Verständnis für die Sorgen der Orthopäden. "Wir brauchen eine EBM-Lösung, die die Orthopäden und andere Fachgruppen besser stellt", sagt er. Dafür setze sich die KVNo ein. Die KBV versuche für diese Ärzte Zuschläge zu verhandeln, das sie ihr bislang aber nicht gelungen.

Der Bewertungsausschuss habe KVen und Krankenkassen aufgetragen, bei Fachgruppen mit überproportionalen Honorarverlusten Ausgleichsmaßnahmen zu prüfen. Das sei in Nordrhein geschehen.

"Wir haben die Probleme dadurch gelöst, dass wir nicht die ganze Gruppe, sondern den einzelnen Arzt auffangen", berichtete Brautmeier. Mehr als die Stützung von Ärzten mit Umsatzverlusten ab zehn Prozent sei mit den Kassen nicht zu machen gewesen.

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