Ärzte Zeitung, 10.06.2011

KV Niedersachsen regt Begrenzung von Leistungen an

HANNOVER (cben). Die KV Niedersachsen hat in einem Schreiben an alle Fachgruppen angeregt, über die Begrenzung der ärztlichen Leistungen nachzudenken.

"Wir haben ein fest begrenztes Budget, aber darunter werden unbegrenzt Leistungen erbracht. Auf Dauer kann das nicht so weiter gehen", begründet Mark Barjenbruch, Vorsitzender der KV Niedersachsen, die Briefaktion.

Ob immer neue Angebote und IGeL die Lösung des Honorarproblems seien, sei auch im Hinblick auf die Lebensqualität der Vertragsärzte offen. In dem Schreiben werden auch die Top 20-Leistungen der jeweiligen Arztgruppe dargestellt, hieß es.

"Wir streben mit den Berufsverbänden eine Diskussion zur Leistungsbegrenzung an", so Barjenbruch.

Begrenzung je nach Fachgruppe

Es gebe zum Beispiel nach wie vor sehr viele Ärzte, die einen Patienten in gar keinem Fall abweisen würden. "Wenn wir aus dem Honorarproblem herauskommen wollen, brauchen wir eine anderer Herangehensweise und auch eine andere Mentalität", sagt Barjenbruch.

Es müsse auf Dauer definiert werden, was der Arzt für das Regelleistungsvolumen erbringen muss. Die Begrenzungen könnten nach Fachgruppen ganz unterschiedlich sein. "Da kann jetzt jede Gruppe für sich entscheiden, ob und wie sie da über Begrenzungen nachdenken will", so Barjenbruch.

"Was muss zum Beispiel der Hautarzt für das RLV von 31 Euro pro Quartal tun? Kann ein Patient jetzt 90 Mal im Quartal in die Sprechstunde kommen?"

Enger gefasste Sprechstundenzeiten möglich

Bei Leistungsbegrenzungen könne es sich auch um enger gefasste Sprechstundenzeiten handeln, als auch um ein anderes Einbestellungssystem, so Dr. Jörg Berlin, Hausarzt und Vize-Vorsitzender der KVN. Ob auch eine Priorisierung die Konsequenz der Debatte in Niedersachsen sein könne, ließ die KVN-Spitze offen.

"Wir müssen auf jeden Fall eine vernünftige Diskussion darüber führen", so Barjenbruch. "Ob es am Schluss eine Priorisierung wird, wird man sehen." Schließlich habe Priorisierung nichts damit zu tun, dass Patienten abgewiesen oder nicht versorgt würden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Versorgung psychisch kranker Kinder ist ein Flickenteppich

Der Trend bei den psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen ist stabil. Eine einheitliche Versorgungslandschaft besteht in Deutschland aber nach wie vor nicht. mehr »

„Mütter sind die zentralen Ansprechpartner“

In dieser Woche werben Urologen für die HPV-Impfung. Vor allem bei Jungen besteht Nachholbedarf. Wie können sie für eine Impfung gewonnen werden? mehr »

Mama leckt den Schnuller ab – kein Tabu

Botschaft einer neuen US-Studie: Das Ablutschen kann Vorteile fürs Immunsystem der Kinder haben. mehr »