Ärzte Zeitung, 30.06.2011

Ärzte in Rheinland-Pfalz müssen jede Borreliose melden

Als erstes westdeutsches Bundesland führt Rheinland-Pfalz die Meldepflicht für die von Zecken übertragene Borreliose ein.

Ärzte in Rheinland-Pfalz müssen jede Borreliose melden

Borreliose ist die am häufigsten von Zecken übertragene Infektionskrankheit in Deutschland.

© panthermedia

MAINZ (dpa/eis). Ärzte in Rheinland-Pfalz müssen künftig den Gesundheitsämtern mitteilen, wenn sie einen Patienten mit Borreliose behandeln, teilte die Gesundheitsministerin des Landes, Malu Dreyer (SPD), in Mainz mit. Die Daten gehen dann an das Landesuntersuchungsamt und von dort weiter ans Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin.

Rheinland-Pfalz wolle so die "bislang unzureichende Datenlage zur Borreliose verbessern", so Dreyer. Dann könne man gezielt Schutz- und Präventionsmaßnahmen für die Bevölkerung ergreifen. Die Meldepflicht gilt ab sofort. Borreliose ist die am häufigsten von Zecken übertragene Infektionskrankheit in Deutschland.

Typisch für Borreliose ist das Erythema migrans an der Stichstelle, das allerdings nicht immer auftritt und oft nach Zeckenstichen auch nicht beachtet wird. Werden Infizierte in diesem Stadium nicht mit Antibiotika behandelt, sind Spätfolgen wie Arthritis, Herzmuskelentzündungen oder Neuroborreliose möglich. Gegen die Krankheit gibt es keine Impfung. Aufklärung über regelmäßiges Absuchen des Körpers nach Zecken im Anschluss an Aktivitäten in der Natur sowie Schutz durch entsprechende Kleidung seien die wichtigsten Prophylaxe-Maßnahmen.

Experten gehen von einer zunehmenden Bedeutung der Krankheit aus, über deren Ausbreitung aber nach wie vor wenig bekannt ist. Eine Meldepflicht gibt es bislang nur in den neuen Bundesländern. Dort werden jährlich mehrere Tausend Erkrankungen registriert.

Borreliose ist nach Angaben des RKI die häufigste durch Zecken übertragene Erkrankung in Europa. Etwa fünf bis 35 Prozent der Zecken in Deutschland sind mit Borrelien befallen. Nach einem Zeckenstich sind bei 1,5 bis 6 Prozent der Betroffenen mit einer Infektion (einschließlich subklinischer Verläufe) und bei 0,3 bis 1,4 Prozent mit einer manifesten Erkrankung zu rechnen.

Ärztemerkblatt und weitere Infos unter www.rki.de "Infektionskrankheiten A-Z".

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Ausreichend Folsäure schützt Hypertoniker vor Schlaganfall

Bestimmte Hypertoniker sollten auf eine gute Folsäureversorgung achten. Dadurch können sie ihr Schlaganfallrisiko deutlich senken. mehr »

Feinsinnige Geister und Antisemiten

Ein neues Buch beleuchtet die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin während des Nationalsozialismus. Am Fallbeispiel Emil von Bergmann erkennen Leser, wie zwiegespalten die DGIM-Mitglieder waren. mehr »

Saunieren schützt vor Schlaganfall

Möglicherweise beugt häufiges Saunieren Hirninfarkten vor. In einer finnischen Studie war die Schlaganfallrate bei Saunafans um 60 Prozent reduziert - dafür mussten Saunagänger aber einen Faktor beherzigen. mehr »