Ärzte Zeitung, 01.07.2011

Hausärzteverband will Kurs gegen die AOK verschärfen

MÜNCHEN (sto). Weil in Bayern kein neuer Hausarztvertrag mit der AOK zustande gekommen ist, will der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) jetzt mobilmachen.

Hausärzteverband will Kurs gegen die AOK verschärfen

Die AOK in Bayern wird vom Bayerischen Hausärzteverband heftig kritisiert.

© Steinach / imago

Am kommenden Wochenende wollen die Hausärzte beim Bayerischen Hausärztetag in Bad Gögging "intensiv über das weitere Vorgehen gegenüber der wortbrüchigen AOK Bayern beraten", kündigte BHÄV-Vorsitzender Dr. Dieter Geis am Freitag in München an.

Im Gegensatz zu den öffentlichen Bekundungen, zügig einen neuen Hausarztvertrag vereinbaren zu wollen, sei die AOK offenbar nicht gewillt, sich an das geltende Recht zu halten, erklärte Geis. Seit einem halben Jahr sabotiere die AOK den Abschluss eines Hausarztvertrages.

Kritik am Vertragsentwurf der AOK

Der von der AOK vorgelegte Vertragsentwurf, der kein 73b-Vollversorgungs-, sondern nur ein Add-on-Vertrag ist, sei in vielen Punkten nicht akzeptabel. So verlange die AOK, dass sich Versicherte nicht mehr in der Praxis in das Hausarztmodell einschrieben können, sondern dazu eine AOK-Geschäftsstelle aufsuchen sollen.

Außerdem verlange die AOK, dass Extrakosten für Schwerkranke durch Einsparungen ausgeglichen werden.

AOK: "Fallwerte können 70 Euro im Quartal erreichen"

Unterdessen erklärte die AOK Bayern, sie habe dem BHÄV einen Vertragsentwurf vorgelegt, der deutlich höhere Honorare für die Verbesserung in der Versorgung und vor allem für die Behandlung chronisch kranker Patienten vorsehe. "In der Spitze können die Fallwerte 70 Euro im Quartal erreichen", so die AOK.

Die vom BHÄV geforderten Zusatzhonorare lägen allerdings "weit über den finanziellen Spielräumen". Zusätzlich habe sie einen mit mehreren Millionen Euro ausgestatteten Strukturfonds angeboten, aus dem Honorare etwa für palliativmedizinische Leistungen gezahlt werden können.

"Mit einer Unterschrift des BHÄV könnte ein neuer Hausarztvertrag noch zum 1. Juli in Kraft treten", erklärte die AOK Bayern.

Topics
Schlagworte
Berufspolitik (22407)
Krankenkassen (18673)
Organisationen
AOK (7910)
Personen
Dieter Geis (115)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Homeoffice belastet die Psyche

Viele Arbeitnehmer würden lieber von Zuhause aus arbeiten als jeden Tag zur Arbeit pendeln zu müssen. Doch nun zeigt eine WIdO-Umfrage: Die Heimarbeit schlägt aufs Gemüt. mehr »

Millionen Befunde offen im Internet

Hochauflösende radiologische Bilder, verknüpft mit Informationen zu Patienten, sind jahrelang ungeschützt im Internet gespeichert gewesen. Betroffen sind auch 13.000 Datensätze aus Deutschland. mehr »

Was nötig ist für mehr Patientensicherheit

Jede Minute sterben fünf Menschen durch fehlerhafte Behandlung, so die WHO. Patientenschützer setzen auf Fehlermeldesysteme. Und was schlagen Ärzte vor? mehr »