Ärzte Zeitung online, 25.07.2011

BDI will keinen "Allgemeinarzt light"

BERLIN (sun). Der Streit zwischen Hausärzteverband und dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) über einen möglichen Quereinstieg in die Allgemeinmedizin spitzt sich zu. Hausärzteverbands-Chef Ulrich Weigeldt nannte es "völlig unverständlich", dass der BDI einen bereits erzielten Konsens dazu nun angreife.

BDI will keinen "Allgemeinarzt light"

BDI-Chef Wesiack: Weiterbildung statt Quereinstieg.

© BDI

Zuvor hatte der Deutsche Ärztetag Anfang Juni in Kiel beschlossen, dass ein Quereinstieg aus anderen Fächern in die Allgemeinmedizin möglich werden soll, um dem Mangel an Allgemeinärzten abzuhelfen.

"Die verabredeten Bestimmungen für einen Quereinstieg wären auch gut geeignet, lediglich in der Klinik ausgebildete Internisten für den Beruf des Hausarztes kompetent zu machen", so Weigeldt.

Der BDI hingegen sprach vom "Allgemeinarzt light". Dieser entstehe durch den Quereinstieg aus anderen, nicht internistischen Fächern -und das lehnten die Internisten "grundsätzlich ab", sagte BDI-Präsident Dr. Wolfgang Wesiack.

Eine solche Zulassung "würde für den Vertragsarzt auf Dauer gelten". Damit gäbe es wieder praktische Ärzte im System, deren Zulassung nicht mehr wiederrufen werden könne.

Eine pauschale Gleichsetzung von Facharztqualitäten und Weiterbildungszeiten sei mit dem Inhalt und der Systematik der Weiterbildung nicht vereinbar, betonte Wesiack.

Der BDI bot vor dem Hintergrund des Ärztemangels an, durch Weiterbildung von angehenden Allgemeinärzten hausärztlich-internistischen Praxen das bestehende Weiterbildungsangebot zu ergänzen.

Auf diese Weise solle der allgemeinmedizinische Nachwuchs gefördert werden.

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Wolfgang Wesiack (234)
[26.07.2011, 07:43:48]
Dr. Jürgen Schmidt 
Es steht mehr auf dem Spiel
Man sollte von jeglicher Polemik absehen und sich erinnern, was eigentlich die Beweggründe jahrzehntelanger Bemühungen der Ärzteschaft gewesen sind, den praktischen Arzt zu eliminieren, den Allgemeinarzt zu etablieren, und durch mehrfache Novellierungen der Weiterbildungsordnung aufzuwerten.
Am Horizont stand die Drohung aus der Gesundheitspolitik, einen Hausarzt auf niedrigem Niveau zu etablieren, möglicherweise nicht mehr universitär, sondern auf Fachhochschulen ausgebildet.
Dieser Entwicklung wollte die Ärzteschaft entschieden vorbeugen und steht heute vor dem Scheitern dieses Konzeptes, weil das geschaffene Berufsbild nicht attraktiv genug ist.
Parallel dazu hat - mit absichtsvoller Unterstützung des Gesetzgebers - eine Entwicklung stattgefunden, die großen Volkskrankheiten mit standardisierten Programmen (DMP) zu behandeln, die zum großen Teil - wenn auch auf niedrigem Nieveau - durch nichtärztliche Hilfskräfte durchgeführt werden könnten.

Bei Lichte besehen, steht die Ärzteschaft kurz vor dem Scheitern des eigenen Hausarztmodelles und einer funktionierenden Basisversorgung.

Wenn sich erweisen sollte, dass auch die im neuen Versorgungsgesetz geplanten Anreize nicht wirken, wird die Politik ihre alten Denkmodelle umsetzen. Herr Weigeldt reicht dazu gerade die Hand. zum Beitrag »

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