Ärzte Zeitung online, 26.07.2011

100 Millionen Euro zusätzlich für neuen Hausarztvertrag?

Hausärzte und AOK in Bayern liegen sich in den Haaren. Nach den gescheiterten Verhandlungen über einen neuen Hausarztvertrag erheben beide Seiten Vorwürfe. Die AOK verweist derweil auf ihr Angebot - sie wollte offenbar zusätzlich 100 Millionen in den Honorartopf werfen.

100 Millionen Euro zusätzlich für neuen Hausarztvertrag?

AOK in Bayern: Angeblich 100 Millionen extra für den neuen Hausarztvertrag mit dem BHÄV.

© Steinach / imago

MÜNCHEN (sto). Die AOK Bayern hat dem Bayerischen Hausärzteverband (BHÄV) nach eigenen Angaben für einen neuen Hausarztvertrag mehr als 100 Millionen Euro als zusätzliches Honorar angeboten.

Wenn der BHÄV dennoch die Verhandlungen für gescheitert erklärt hat, sei die Verunsicherung der Hausärzte verständlich, heißt es in einer Presseerklärung der AOK Bayern.

Diese Verunsicherung der Hausärzte sei maßgeblich auf den vom BHÄV zu verantwortenden vertragslosen Zustand für die besonderen hausärztlichen Leistungen zurückzuführen.

Kasse spricht von "umfangreichen Zusatzhonoraren"

Ziel der AOK sei eine Verbesserung der Versorgung insbesondere für chronisch Kranke. Für diese besondere hausärztliche Versorgung habe man zusätzlich zur Regelvergütung "umfangreiche Zusatzhonorare" angeboten.

Für die allgemeine hausärztliche Versorgung, die unverändert alle notwendigen Leistungen und deren Honorierung umfasst und die über die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) laufe, bedürfe es keines separaten Hausarztvertrags, betonte die AOK.

Für die allgemeine hausärztliche Versorgung zahle die AOK für alle ihre Versicherten in diesem Jahr rund 820 Millionen Euro, heißt es in der Mitteilung. Daraus entfielen hochgerechnet auf die Teilnehmer des im vergangenen Jahr gekündigten Hausarztvertrages knapp 500 Millionen Euro.

"Abstruse" Vorwürfe des BHÄV

Demgegenüber habe der BHÄV auf dieser Grundlage mehr als 450 Millionen Euro als zusätzliche Vergütung gefordert, so die AOK Bayern. Eine solche Honorarsteigerung würde unweigerlich zu hohen zusätzlichen Belastungen der Versicherten führen.

Als "abstrus" bezeichnete die AOK den Vorwurf des BHÄV, sie breche das Recht, weil kein Hausarztvertrag besteht.

Die Verhandlungen hätten ja gerade das Ziel gehabt, einen neuen Hausarztvertrag zu erreichen und damit die Rechtsnorm zu erfüllen. Kein Gericht der Welt werde darin einen Rechtsbruch sehen, meint die AOK.

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