Ärzte Zeitung online, 02.08.2011

Hessens Kammerpräsident findet Vorschläge der Kliniken völlig schräg

FRANKFURT (chb). Dass hessische Kliniken stärker auch die ambulante Versorgung der Bevölkerung übernehmen wollen, stößt auf harsche Kritik des Präsidenten der Landesärztekammer.

Dieses Vorhaben sei "unüberlegt, unrealistisch und kontraproduktiv", kommentiert Kammerpräsident Dr. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach das Positionspapier, das die hessische Krankenhausgesellschaft (HKG) in der vergangenen Woche vorgestellt hatte.

Das die Kliniken gesetzliche Regelungen fordern, um an der Sicherstellung der ambulanten Versorgung beteiligt zu werden, findet von Knoblauch zu Hatzbach dabei besonders befremdlich.

"Angesichts der Tatsache, dass viele hessische Krankenhäuser schon jetzt händeringend nach Ärzten suchen, erscheint der jüngste Vorstoß der HKG geradezu abenteuerlich und rein von wirtschaftlichen Interessen geleitet", so der Kammerpräsident.

Den Kliniken gehe es wohl vor allem darum, mehr Geld aus dem Topf für die ambulante Versorgung zu bekommen.

Kammerpräsident verlangt bessere Zusammenarbeit

Vor allem in strukturschwachen ländlichen Gebieten könnten die Kliniken die medizinische Versorgung der Bevölkerung nicht sicherstellen, da sie sich schon jetzt zu immer größeren Einheiten zusammenschließen und somit eher aus der Fläche zurückziehen würden.

Die Lösung für die Versorgungsprobleme vor allem auf dem Land kann nach von Knoblauch zu Hatzbach nur in einer besseren Zusammenarbeit von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten liegen.

Ein gelungenes Beispiel für diese Kooperation sei die von Kassenärztlicher Vereinigung, Landesärztekammer und Krankenhausgesellschaft gemeinsam gegründete Koordinierungsstelle für die Weiterbildung in der Allgemeinmedizin.

"Die HKG sollte deshalb besser in den regionalen Gesundheitskonferenzen gemeinsam mit den anderen Partnern über Lösungsmöglichkeiten des Ärztemangels nachdenken und dafür sorgen, dass die beruflichen Rahmenbedingungen für Ärztinnen und Ärzte, darunter auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, an den Kliniken verbessert werden."

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