Ärzte Zeitung online, 03.08.2011

Reaktionen zum Versorgungsgesetz

KVen: Lob von Köhler, Kritik aus den Regionen

Dass es mit dem Versorgungsgesetz leichter wird, den Ärztemangel auf dem Land zu bekämpfen, wird von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung begrüßt. Doch KBV und auch viele KVen sehen vor allem die Regelungen zur spezialärztlichen Versorgung skeptisch. Dass wichtige Honorarfragen weiter auf Bundesebene entschieden werden sollen, sorgt ebenfalls für Unmut.

Licht und Schatten sieht der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Dr. Andreas Köhler im Versorgungsgesetz.

Die KBV unterstütze "vorbehaltlos die neuen Instrumente, um gegen den Ärztemangel vorgehen zu können - wie die Aufhebung der Residenzpflicht oder mobile Arztstationen", so Köhler. Auch der Ansatz zur Regionalisierung entspreche Forderungen der Ärzteschaft.

"Die diesbezügliche Änderung, dass nun Vorgaben zur Honorarverteilung auf Bundesebene gemacht werden sollen, weicht allerdings wieder vom angestrebten und notwendigen Ziel der Regionalisierung ab", kritisiert der KBV-Chef. Vor-Ort-Lösungen seien immer besser als zentrale Vorgaben.

Skeptisch beurteilt Köhler auch die Regelungen zur spezialärztlichen Versorgung. Hier gebe es bislang keine Wettbewerbsgleichheit zwischen ambulant und stationär tätigen Ärzten.

Genau an dieser Regelung stößt sich auch die KV Bremen: "Was für die Patienten auf den ersten Blick gut aussieht, entpuppt sich als hässliche Kröte", erklärte KVHB-Chef Dr. Jörg Hermann.

Die spezialärztliche Versorgung führe zu einem ruinösen Wettbewerb für niedergelassene Ärzte und entzieht dem ambulanten Sektor Geld für die wohnortnahe Behandlung, so Herrmann. "Der Facharzt ums Eck ist auf kurz oder lang passé, Behandlung findet dann nur noch in Krankenhäusern statt."

Praktisch werde der Bereich der spezialärztlichen Versorgung den Krankenhäusern vorbehalten sein, so die KVHB. "Niedergelassene Fachärzte haben keine Chance zu bestehen. Als selbstständige Kleinunternehmer konkurrieren sie mit großen Kliniken, die zu allem Überfluss auch noch finanziell gefördert werden", kritisierte Hermann.

"Wir müssen den Haus- und Fachärzten etwas wegnehmen, damit die Spezialärzte bezahlt werden können", erläutert der KV-Vorstand. Dieses Geld fehle dann für die Basisversorgung; für den Augenarzt, den Orthopäden, den Gynäkologen oder den Hausarzt.

Nur schwer anfreunden kann sich die KV Hamburg mit dem Versorgungsgesetz. Sie befürchtet für ihre Mitglieder vor allem Nachteile, wenn wichtige Honorarfragen weiter auf Bundesebene entschieden werden.

"Gerade Hamburg mit seiner spezifischen Versorgungssituation hat in den vergangenen Jahren unter den zentralistischen Vorgaben massiv gelitten", kritisierte KV-Vize Walter Plassmann. (chb)

Reaktionen zum GKV-VSG:
Ärzteschaft ist voll des Lobes
Lob von Köhler, Kritik aus den KVen
Kassen: Kein Mittel gegen Überversorgung
Spezialärzte machen Verbänden Sorgen
Länder wollen nachbessern
Gewerkschaften sehen Klientelpolitik

[04.08.2011, 13:24:30]
Dr. Jürgen Schmidt 
KV und KBV müssen hart bleiben
Man kann nur hoffen, dass die ärztliche Selbstverwaltung hartnäckig bleibt, um die offensichtlichen Nachteile des Gesetzes zu eliminieren und nicht - wegen der Vorteile und des guten Verhältnisses zum derzeitigen Gesundheitsministers - sozusagen die Kröte für die "Kröten" schluckt.
Denn die Pferdefüße werden sich in vollem Ausmaß erst zeigen, wenn das Gesetz in Kraft getreten, umgesetzt und die Ergebnisse bilanziert worden sind. Aller Voraussicht nach haben wir zu diesem Zeitpunkt bereits eine andere Regierung, bei der notwendige Korrekturen sehr viel schwerer zu erreichen sein werden.
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