Ärzte Zeitung online, 03.08.2011

Reaktionen zum Versorgungsgesetz

Spezialärzte machen Verbänden Sorgen

Augenmaß bei der spezialärztlichen Versorgung mahnt der Hartmannbund an. Die Freie Ärzteschaft hält dieses neue Element für völlig überflüssig, dem Marburger Bund geht es dagegen nicht weit genug.

Der Hartmannbund zeigt sich verärgert darüber, dass im Zusammenhang mit dem Versorgungsgesetz über Abschläge für Ärzte diskutiert wird, die in sehr gut versorgten Gebieten praktizieren.

"Es ist geradezu absurd, für eine bessere medizinische Versorgung in strukturschwachen Gebieten dort neue Lücken aufreißen zu wollen, wo die Versorgungsstrukturen bisher intakt sind und der Bedarf nach ärztlichen Leistungen noch ungebrochen besteht", kritisierte der Vorsitzende des Hartmannbundes Professor Kuno Winn.

Augenmaß fordert der HB bei der Entwicklung der spezialärztlichen Versorgung: "Wir müssen sehr aufpassen, dass hier nicht ein im Kern positiver Ansatz einen Wettbewerb zwischen den Sektoren initiiert, der am Ende Strukturen zerschlägt, die gerade in der Fläche für eine wohnortnahe Versorgung unverzichtbar sind", mahnte Winn.

Die Freie Ärzteschaft will die bevorstehenden parlamentarischen Beratungen des Gesetzes dazu nutzen, sich für einen völligen Verzicht auf das Element der spezialärztlichen Versorgung stark zu machen.

Diese sei zwar "neu, aber total überflüssig" und bedrohe die Existenz niedergelassener Ärzte. Der Präsident der Freien Ärzteschaft, Martin Grauduszus, vertraut dabei auf Erfahrungen des ehemaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck, nachdem "kein Gesetz aus dem Parlament herauskommt, wie es hineingekommen ist".

Nicht weit genug gehen dagegen dem Marburger Bund die Regelungen zur spezialärztlichen Versorgung. "Die Einzelmaßnahmen ergeben noch kein systematisches Konzept zu einer wirklich sektorübergreifenden Versorgungsplanung", so der Marbuger Bund.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht die medizinische Versorgung von Krebspatienten durch das neue Gesetz massiv verschlechtert. So würden "die Rechte der Patienten zur Wahl einer Klinik geschmälert und das Spektrum der onkologischen Behandlungen, die eine Klinik durchführen darf, eingeschränkt".

Zudem würden ambulante Krebsbehandlungen am Krankenhaus von der Zustimmung der niedergelassenen Ärzte abhängig gemacht, kritisierte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. (chb)

Reaktionen zum GKV-VSG:
Ärzteschaft ist voll des Lobes
Lob von Köhler, Kritik aus den KVen
Kassen: Kein Mittel gegen Überversorgung
Spezialärzte machen Verbänden Sorgen
Länder wollen nachbessern
Gewerkschaften sehen Klientelpolitik

[03.08.2011, 21:35:36]
Dr. Rares Pintea 
Weiterbildung und spezialärztliche Versorgung
Die Einführung der spezialärztlichen Versorgung wird meiner Meinung nach auch eine Auswirkung auf die Orientierung der Weiterbildungsassistenten in ihr Beruf haben.

Mediziner sind ergeizig, nicht wenige werden in die Spezialversorgung (ambulante OP, Spezaildiagnostik) und nicht in der "allgemeinen fachärztlichen" Versorgung tätig sein wollen. Kann mir nicht vorstellen, dass dann die Atraktivität für bestimmte Fachrichtungen mittelfristig steigen wird.  zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Tumorpatienten bei Schmerztherapie unterversorgt

Viele Krebskranke erhalten keine adäquate Schmerztherapie. Das hat eine erste Analyse der Online-Befragung "PraxisUmfrage Tumorschmerz" ergeben. mehr »

ADHS-Arznei lindert Apathie bei Alzheimer

Eine Therapie mit Methylphenidat kann die Apathie bei Männern mit leichter Alzheimerdemenz deutlich zurückdrängen. mehr »

Zehn Jahre "jünger" durch Sport

Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Schnitt zehn Jahre jünger als ein Bewegungsmuffel. mehr »