Ärzte Zeitung, 15.08.2011

Genauere Bedarfsplanung kommt zu schrägem Resultat

In Westfalen-Lippe hat die KV die Bedarfsplanung mit Demografie-Filter neu berechnet. Kurioses Ergebnis: mehr Sitze in überversorgten Regionen.

Genauere Bedarfsplanung kommt zu schrägem Resultat

Genauer Hinsehen, das soll die neue Bedarfsplanung leisten. Doch ein Modell in Westfalen-Lippe brachte andere Ergebnisse, als zunächst erhofft.

© VRD / fotolia.com

DORTMUND (iss). Die Verfeinerung der Bedarfsplanung durch einen Demografiefaktor würde die Probleme der Kassenärztlichen Vereinigungen bei der Sicherstellung nicht lindern, sondern verschlimmern.

Zu diesem Ergebnis kommt die KV Westfalen-Lippe (KVWL) nach einer ersten Hochrechnung. Danach würden durch die Neuregelung 125 Sitze für Hausärzte, Augenärzte und Urologen entstehen - vor allem in bislang gesperrten Gebieten.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hatte die Modifizierung der Bedarfsplanung durch einen Demografiefaktor im Juli 2010 beschlossen. Es sei auf den ersten Blick eine gute und nachvollziehbare Idee, die demografischen Veränderungen in der Bevölkerung zu einem Faktor der Bedarfsplanung zu machen, sagt der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden.

"Die tatsächlichen Auswirkungen, die wir nach unserer Hochrechnung erkennen, haben uns jedoch erschreckt." In einigen gesperrten Städten würden in den grundversorgenden Fachrichtungen zusätzliche Sitze im zweistelligen Bereich entstehen.

Ruf nach neuer Form der Bedarfsplanung

In Westfalen-Lippe würde das neue Verfahren zu 82 neuen Sitzen für Hausärzte führen, darunter je 15 in Recklinghausen und Dortmund - beides Städte, die wegen Überversorgung gesperrt sind.

Das konterkariere die Bemühungen der KVWL, ausreichend Nachfolger für Praxen in den ländlichen Regionen zu finden, sagt Dryden. "Dem Drang der Kollegen zur Niederlassung in der Stadt würden weitere Tore geöffnet."

Er verweist auf ein weiteres Problem. "Innerhalb der Städte haben wir nach wie vor keinen Einfluss darauf, wo sich die Ärzte niederlassen." So könnte die KVWL auch unter den modifizierten Bedingungen neue Hausarztsitze in Dortmund nicht in unterversorgte Stadtteile wie Mengede steuern.

Die Hochrechnung macht nach Einschätzung von KV-Chef Dryden vor allem eins deutlich: "An Stelle einer weiteren bundesweiten Standardisierung brauchen wir dringend eine neue, flexible und am regionalen Bedarf orientierte Bedarfsplanung."

[15.08.2011, 17:52:25]
Dr. Christoph Luyken 
Bedarfsplanung zu unpäzise
Sollte es nicht möglich sein, speziell für Mengede (um beim genannten Beispiel zu bleiben) einen Arztsitz auszuschreiben, wenn dort Bedarf besteht - egal wieviele Ärzte sonst im Raum Dortmund niedergelassen sind? Solche Zustände gibt es doch vielerorts. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »