Ärzte Zeitung, 10.11.2011

Ärzteduo im Pflegeheim sorgt für Entlastung

Zwei Hausärzte betreuen jeweils gemeinsam Pflegeheimbewohner: Dieses Modell aus Mecklenburg-Vorpommern lässt auch die Rate der Klinikeinweisungen sinken.

SCHWERIN (di). Das Modell "Pflegeheim plus" entwickelt sich im Nordosten zum Erfolgsmodell. Mittlerweile beteiligen sich 50 der rund 230 Pflegeheime in Mecklenburg-Vorpommern.

Rund 3200 AOK-versicherte Pflegeheimbewohner werden in diesen Heimen über das Modell betreut. Die Einrichtungen arbeiten mit einem zweiköpfigen Hausärzteteam zusammen, das für die ärztliche Betreuung ihrer Bewohner verantwortlich ist.

Damit wird wie berichtet eine kontinuierliche Betreuung mit festen ärztlichen Ansprechpartnern erreicht.

Ärzte müssen nicht mehr für einzelne Patienten ins Heim fahren

Für die Ärzte sind die Behandlungen gut zu organisieren, weil die Heime für eingeschriebene Patienten einen Behandlungsraum eingerichtet haben oder diese warten, während der Arzt von Zimmer zu Zimmer geht. Die Ärzte müssen nicht mehr für einzelne Patienten in ein Heim fahren.

Bisherige Ergebnisse zeigen, dass die eingeschriebenen Pflegeheimbewohner seltener ins Krankenhaus eingewiesen werden. Die Einweisungsquote liegt 22 Prozent unter der in nicht teilnehmenden Pflegeeinrichtungen. Rettungsfahrten und Notarzteinsätze sanken um bis zu 20 Prozent in manchen Heimen.

Wöchentliche Visiten und erweiterte Rufbereitschaft

Insgesamt beteiligen sich 64 Haus- und Fachärzte aus Mecklenburg-Vorpommern. Auch die Ärztenetze Praxis-Verbund Nordwest Mecklenburg (Region Schwerin), Haffnet (Uecker-Randow) und Ärztebund Bodden-Netz (Ribnitz-Damgarten) sind eingebunden.

Die ärztlichen Kooperationspartner bieten regelmäßige wöchentliche Visiten und eine erweiterte Rufbereitschaft an.

Vertragliche Grundlage ist eine Vereinbarung zwischen AOK Nordost, Kassenärztlicher Vereinigung und Pflegeheim, die den niedergelassenen Ärzten außer der üblichen Versichertenpauschale bei diesem Modell eine zusätzliche Quartalspauschale in Höhe von 25 Euro je Bewohner bietet, unabhängig von einer Behandlung.

Mehr Sicherheit für das Pflegepersonal

Die Vereinbarung kann bei Bedarf auf die spezifischen Anforderungen in einzelnen Heimen angepasst werden. Als Vorteil für die Versorgung schätzen die Partner auch den regelmäßigen Austausch zwischen Hausärzten, komplementären Facharztgruppen und Pflegekräften ein.

Nach Ansicht von Dr. HannsJürgen Roller, am Vertrag beteiligter Allgemeinmediziner, ist der Kontakt zu den Heimbewohnern und zum Heimpersonal intensiver und direkter geworden. Dies erlaube ein frühes Handeln bei beginnenden Beschwerden und Erkrankungen.

"Dem Pflegepersonal gibt diese Verfahrensweise mehr Sicherheit", sagte der Allgemeinmediziner.

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