Ärzte Zeitung, 13.11.2011

"Wir planen, aber keiner macht bei der IV mit"

Die integrierte Versorgung hat nach dem Auslaufen der Anschubfinanzierung viele Rückschläge erlitten. Doch Experten sind sich einig: Ihr gehört die Zukunft.

Von Dirk Schnack

HAMBURG. Alle wollen angeblich, kaum einer macht´s - die integrierte Versorgung führt derzeit ein Schattendasein im deutschen Gesundheitswesen.

Einziger Lichtblick beim mittlerweile siebten Hamburger Symposium für integrierte Gesundheitslösungen ist die Überzeugung: Der integrierten Versorgung gehört die Zukunft.

So zumindest Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks: "Die Zeit von IV wird noch kommen", sagte die Senatorin vor rund 400 Teilnehmern.

Lippenbekenntnisse

Die hörten wie schon in den vergangenen Jahren viele Lippenbekenntnisse für die sektorenübergreifende Zusammenarbeit, aber wenig von neuen Verträgen.

Seit der Gesetzgeber hierfür die Anschubfinanzierung eingestellt hat, gab es viele Rückschläge - und mit der Einführung des Zusatzbeitrages sind viele Kassen komplett auf Tauchstation gegangen.

Gastgeber Professor Fokko ter Haseborg vom Albertinen-Diakoniewerk übte sich dennoch weiter in Geduld und zeigte Verständnis für die in ihren finanziellen Spielräumen eingeengten Kassenvertreter.

Belohnungen

Um den wieder zu erhöhen, schlug ter Haseborg neue Anreize vor. Er sprach sich für eine Belohung von Kassen aus dem Gesundheitsfonds aus, wenn diese in zukunftsgerichtete Modelle investieren.

Begründung: Innovative Versorgung verbessere durch sektorenübergreifende Zusammenarbeit Behandlungsabläufe, Qualität und Compliance.

Für Prüfer-Storcks erschien dieses IV-Konjunkturprogramm zwar vernünftig, an eine Umsetzung aber glaubt sie nicht.

Frostperiode

Die Senatorin, zuvor selbst bei der AOK Rheinland/Hamburg im Vorstand tätig, attestierte den Kassen "Schockstarre": "Seit Einführung des Zusatzbeitrages hat eine Frostperiode eingesetzt", so Prüfer-Storcks.

Dies gelte selbst für Vertragsentwürfe, die den Kassen mittelfristig Geld sparen könnten. Sie machte deshalb noch einmal deutlich: "Integrierte Versorgung macht die Gesundheitsversorgung nicht teurer, aber die Erträge stellen sich erst mittel- bis langfristig ein."

Das bei den Kassen derzeit vorherrschende Denken hält sie deshalb für falsch. Das ernüchternde Fazit für die Beteiligten zog ter Haseborg: "Wir planen sektorübergreifende Versorgung, aber keiner macht mit."

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