Ärzte Zeitung, 02.12.2011

Bremer Klinikum Mitte gesteht Desinfektionsproblem

Das Robert Koch-Institut hat die Umstände des Tods von drei Frühchen im Bremer Klinikum Mitte untersucht - doch der Zwischenbericht lässt viele Fragen offen. Ein Rätsel ist, warum ein Mitarbeiter aus der Umgebung der Neonatologie den Keim hatte, das Stationsteam aber nicht.

Von Christian Beneker

"Wir haben ein Desinfektionsproblem"

Das Bremer Klinikum Mitte räumt Hygienemängel in der Neonatologie ein.

© dpa

BREMEN. Infektionsquelle unbekannt, Übertragungsweg unbekannt - aber immerhin gilt der Ausbruch von Klebsiellen in der Neonatologie des Bremer Klinikums Mitte (KBM), der drei Frühchen das Leben gekostet hat, als unterbrochen. Das geht aus einem Zwischenbericht des Robert Koch-Institutes hervor.

Das RKI gibt inzwischen die Zahl der Kinder, die mit dem Keim in Berührung gekommen waren, mit 25 an - bisher waren 23 bekannt geworden. Zudem geht das RKI von neun Infektionen aus.

"Wir müssen einräumen, dass wir wahrscheinlich ein Desinfektionsproblem haben", sagte eine Sprecherin der Unternehmensleitung der "Ärzte Zeitung". Die hygienischen Umstände in der Neonatologie "sind offenbar nicht so gewesen, wie sie sein sollten".

Keime auf der Hand eines Mitarbeiters

Tatsächlich hatten Abstriche ergeben, dass die Hand eines Mitarbeiters aus der Umgebung der Station besiedelt war. Unter den Mitarbeitern der Neonatologie selber gab es keinen positiven Befund auf Klebsiellen, teilte die Klinikleitung mit.

Allerdings hält das RKI es für unwahrscheinlich, dass nur ein Mensch die Quelle des Keims ist. Auch den Übertragungsweg der Keime konnte das RKI-Team nicht nachweisen.

Anfang November prüfte ein dreiköpfiges RKI-Team die Umstände um die gestorbenen Frühchen im KBM. Der endgültige Bericht des RKI steht noch aus.

Hygienefachkraft eingestellt

Als Konsequenz aus den Vorfällen soll eine Hygienefachkraft eingestellt werden. Außerdem beschäftigt die Klinikleitung in der Neonatologie zwei neue Pflegekräfte sowie zwei Aushilfen als Extra-Wachen. Zudem sei ein Rufdienst eingerichtet, erklärte die GeNo-Sprecherin.

Damit reagierte Hansen auf die 17 Überlastungsanzeigen, die von Mitarbeitern der Neonatologie die in diesem Jahr der Klinikleitung gegeben wurden.

Früher manchmal nur zwei Pflegekräfte im Dienst

Tatsächlich hatten in manchen Nachtschichten nur zwei Pflegekräfte in der Neonatologie die Frühchen versorgt, hieß es.

"Das hat für uns aber nichts mit dem fatalen Ausbruch der Klebsiellen zu tun", so die Sprecherin. Allerdings sei wie vorgeschrieben immer ein ärztlicher Dienst verfügbar gewesen.

Neonatologie wird vor Weihnachten wieder eröffnet

Unterdessen sind die Entbindungszahlen in der Kinderklinik des KBM dramatisch eingebrochen. "Früher hatten wir vier bis fünf Geburten täglich, jetzt haben wir - wenn überhaupt - eine am Tag", hieß es.

Hochrisikoschwangere werden derzeit in einer wiedereröffneten Station im Klinikum Links der Weser (LDW) versorgt.

Die Neonatologie im KBM soll noch vor Weihnachten wieder eröffnet werden. Zurzeit wird sie desinfiziert.

[05.12.2011, 16:53:39]
Dr. Karl Georg Graf 
Sichere Betreuung der Frühchen ist zu gewährleisten
Der einfachste und sicherste weg Infektionen auf Solchen Stationen zu vermeiden ist die 1:1 Pflege ( Eine Fachschwester : 1 Frühchen) in
jeder Schicht !!

Bitte keine Kommentare dies wäre nicht finanzierbar !!

Jedes tote Frühchen klagt an !! und deren Eltern sollten sich überlegen

gegen die Klinik wegen Organisationsverschulden zu klagen ;
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

In kleinen Schritten zum Normalgewicht

Manch eine Adipositas-Therapie scheitert daran, dass die geforderte große Gewichtsabnahme Betroffene abschreckt. Forscher plädieren nun dafür, die Stoffwechsel-gesunde Adipositas als erstes Therapieziel zu definieren. mehr »

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »