Ärzte Zeitung online, 22.12.2011

Südwesten motzt Krebsregister auf

STUTTGART (fst). Das Landeskrebsregister in Baden-Württemberg wird im kommenden Jahr voraussichtlich alle neuen Krebsfälle erfassen. Davon zeigte sich Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) anlässlich der Vorlage des ersten Evaluationsberichts zum Register überzeugt.

Mit der flächendeckenden Erfassung seien "die Voraussetzungen für eine verlässliche wissenschaftliche Krebsursachenforschung und für die weitere Verbesserung der onkologischen Versorgung vorhanden", sagte Altpeter am Dienstag.

Das Landeskabinett hat zudem einer Novelle des Krebsregistergesetzes im kommenden Jahr zugestimmt. Diese betrifft vor allem technische Abläufe beim Meldeverfahren oder beim länderübergreifenden Datenaustausch.

Vor allem aber sollen die Lebensqualität der Patienten und die Einschränkungen nach einer Krebsbehandlung erstmals im Register berücksichtigt werden. Damit werde ein zentrales Anliegen von Patientenvertretern aufgegriffen, sagte Altpeter.

Auch Niedergelassen einbezogen

Das im April 2009 neu gestartete Krebsregister hat seitdem mehrere Ausbaustufen durchlaufen. In der ersten Stufe sind 2009 zunächst die zwölf onkologischen Schwerpunkte und vier Tumorzentren zur Meldung verpflichtet worden.

Später sind dann alle Krankenhäuser sowie Pathologen in Baden-Württemberg hinzugekommen. Seit 1. Oktober 2011 erfasst die Meldepflicht alle niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte. Diese gilt auch für MVZ.

Schon allein durch die Melder der ersten Stufe seien bereits rund die Hälfte aller Fallzahlen erfasst worden, erklärte Altpeter. "Ohne Hautkrebsfälle wurden 2009 rund 22.000 Fälle von Erstdiagnosen gemeldet", erläuterte die Ministerin.

Inzwischen verfüge das Register über mehr als 400 Melder, "sodass mit einer zeitnahen Meldung aller noch fehlenden Fälle zu rechnen ist", hieß es.

Altes Register wurde 2004 eingestellt

Perspektive geht Altpeter davon aus, dass mit den gewonnenen Daten eine "eine übergreifende Qualitätssicherung in der Krebstherapie" möglich sein wird. Auf dieser Basis könnten dann beispielsweise langfristig Behandlungsleitlinien weiterentwickelt werden.

Ausgangspunkt für das heutige Register war eine gesetzliche Neukonzeption im Jahr 2006. Das alte, auf das Jahr 1994 zurückgehende Register, laborierte an organisatorischen Problemen, mangelnder Vollständigkeit der Meldungen und fehlender Flächendeckung.

Es wurde daher im Jahr 2004 eingestellt. Mit dem Neuanfang 2006 ist sukzessive sowohl ein landesweites epidemiologisches als auch ein klinisches Krebsregister entstanden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Herpes-Viren unter Alzheimerverdacht

Die Virus-Hypothese erhält neue Nahrung: Herpesviren könnten mit einer Alzheimererkrankung zusammenhängen. Eine Reaktivierung der Viren könnte die Krankheit befeuern. mehr »

Das alles muss das Verarbeitungsverzeichnis enthalten

Zur Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung müssen Arztpraxen ein "Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten" anlegen. Was darin alles aufgeführt werden muss, fassen zwei Medizinrechtler zusammen. mehr »

Übermüdete Teens oft adipös und hyperton

Sowohl zu kurzer als auch schlechter Schlaf erhöht bei Jugendlichen das kardiometabolische Risiko. In der bisher größten Studie zum Thema wirkten sich entsprechende Defizite negativ auf Taillenumfang, Blutdruck und Lipide aus. mehr »