Ärzte Zeitung, 12.01.2012

"Gesundes Kinzigtal" machts Sparen vor

Eines der wenigen Beispiele für ein Vollversorgungs modell ist der Integrationsvertrag "Gesundes Kinzigtal". Eine der beteiligten Kassen hat jetzt Daten zur Kostenentwicklung vorgelegt.

Von Florian Staeck

Projekt "Gesundes Kinzigtal" dämpft Kostenanstieg

STUTTGART. Die beteiligten Kassen am Integrationsprojekt "Gesundes Kinzigtal" in Baden-Württemberg sehen sich auf der Erfolgsspur.

Nach Angaben der Landwirtschaftlichen Krankenkasse (LKK), aus deren Reihen 2000 Versicherte im integrierten Versorgungsmodell teilnehmen, sind die Versorgungskosten in den Jahren 2005 bis 2010 deutlich langsamer gestiegen als in der Regelversorgung.

Ingesamt lagen je Versichertem und Jahr die Ausgaben im Kinzigtal um 327 Euro niedriger als in einer Kontrollgruppe aus LKK-Versicherten in Baden-Württemberg, teilten die LKK und die Gesundes Kinzigtal GmbH mit.

Den größten Anteil am Sparvolumen machen verringerte Krankenhauskosten aus, die um 151 Euro niedriger als in der Kontrollgruppe waren.

"Durch kontinuierliche Verbesserungen in der ambulanten Versorgung können unnötige Krankenhausaufenthalte vermieden werden", sagt Dr. Horst E. Michalek, Sprecher des Ärztlichen Beirats im Kinzigtal.

Höhere Leitlinientreue

Die Krankengeld- sowie weitere Leistungsausgaben fielen im Integrationsmodell um 110 Euro niedriger als bei den übrigen LKK-Versicherten aus. Die Arzneimittelausgaben lagen um 66 Euro pro Versicherten und Jahr im Kinzigtal unter dem Niveau der Kontrollgruppe.

Dabei habe eine externe Evaluation ergeben, dass gleichzeitig die Versorgungsqualität beispielsweise bei Hypertonie-Patienten mit KHK zugenommen hat, berichten die Kasse und die Gesundes Kinzigtal GmbH.

Von dieser Patientengruppe erhielten 70,2 Prozent eine leitlinienkonforme Betablocker-Therapie - und damit rund neun Prozentpunkte mehr als die übrigen LKK-Versicherten im Südwesten (61,5 Prozent).

Einen weiteren Erfolg sehen die Initiatoren durch das verbesserte Multimedikationsmanagement im Integrationsmodell. So hätten 5,6 Prozent der Versicherten im Kinzigtal im Jahr 2008 eine Multimedikation erhalten, in der Vergleichsgruppe waren es neun Prozent.

Geringere Anstieg bei Klinikbehandlungen

Horst Riedel, Leiter des Vertragsreferats der LKK Baden-Württemberg sieht dies als Beleg für einen "doppelten Nutzen": "Die Ausgaben steigen unterproportional, gleichzeitig verbessert sich die Versorgungsqualität für unsere Versicherten", sagt Riedel.

Die Effiziengewinne in der Versorgung würden "durch gezielte Vorsorge, eine sektorenübergreifende, interdisziplinäre Versorgung und mehr als 20 spezifische Gesundheitsprogramme ermöglicht", sagt Helmut Hildebrandt, Geschäftsführer der Gesundes Kinzigtal GmbH und Vorstand der OptiMedis AG.

Mitte des vergangenen Jahres haben die Initiatoren berichtet, dass die Kinzigtaler im Falle einer psychischen Erkrankung seltener ins Krankenhaus müssen als die Vergleichsgruppe der Barmer GEK-Versicherten.

Danach legten die Klinikeinweisungen aufgrund psychischer Störungen bei Barmer GEK-Versicherten seit 2005 um rund 22 Prozent zu, im "Gesunden Kinzigtal" blieben sie dagegen stabil.

Beim Integrationsmodell "Gesundes Kinzigtal", in dem 31.000 Versicherte von AOK und LKK eingeschrieben sind, handelt es sich um ein Capitation-Modell. Dabei übernehmen Ärzte die wirtschaftliche Verantwortung für die Gesamtversorgung der Patienten.

Die Gesundes Kinzigtal GmbH ist eine Gemeinschaftsgründung der OptiMedis AG und des Medizinischen Qualitätsnetzes Ärzteinitiative Kinzigtal e.V..

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