Ärzte Zeitung, 17.01.2012

BKK: Wir sind kein Bürokratie-Buhmann

Die Betriebskrankenkassen in Bayern halten die durch eine Studie losgetretene Bürokratie-Debatte für schräg. Ihr Argument: Der Gesetz- und Verordnungsgeber ist der Hauptproduzent von Verwaltung.

BKK: Wir sind kein Bürokratie-Buhmann

Ein Stempel für jede Gelegenheit.

© Gina Sanders / fotolia.com

MÜNCHEN (sto). Die Diskussion um die Verwaltungskosten der GKV läuft nach Ansicht von Sigrid König, Vorstand des BKK Landesverbandes Bayern, in eine falsche Richtung.

Die Feststellung, dass die Verwaltung auch in der GKV effizienter gestaltet werden kann, sei zwar grundsätzlich richtig, erklärte König. Es sei jedoch unseriös, wie in der A.T. Kearney-Studie geschehen, die GKV als einzigen Verwaltungskostenbuhmann auszumachen und zudem alle Krankenkassen über einen Kamm zu scheren.

Gerade die unternehmensnahen Betriebskrankenkassen zeichneten sich seit jeher durch schlanke Verwaltungsstrukturen aus. "Da aber günstige Verwaltungsstrukturen im Sumpf des Gesundheitsfonds versickern, gibt es für andere Kassenarten kaum Anreize, an den eigenen Verwaltungskosten zu rütteln", sagte König.

Unabhängig davon sei aber auch der Gesetzgeber in der Pflicht, der die Selbstverwaltung seit Jahrzehnten mit immer neuen Gesetzen und Regularien treibt: "Bürokratisch überladen ist inzwischen nicht nur die Gesundheitsversorgung an sich, sondern auch schon die Verwaltung der Einnahmen über den Gesundheitsfonds mit dem morbiditätsorientierten Strukturausgleich", erklärte König.

Fünf Millionen Euro

Allein für die Verwaltung beim Bundesversicherungsamt (BVA) würden derzeit rund fünf Millionen Euro im Jahr benötigt. Hinzu kämen die Verwaltungsausgaben der Krankenkassen. Denn für jede Datenlieferung an das BVA würden GKV-weit für die rund 73 Millionen Versicherten 659 Millionen Arzneimitteldaten, 95 Millionen stationäre Diagnosen und 1,9 Milliarden ambulante Diagnosen aufbereitet und gemeldet, so König.

Weitere umfangreiche gesetzgeberische Maßnahmen, wie die Einführung der Disease-Management-Programme, die Einführung von Fallpauschalen im Krankenhaus oder die Integrationsversorgung zögen erhebliche Verwaltungsarbeiten nach sich, die auf allen Ebenen Kosten verursachen, erklärte König.

Jüngstes Beispiel für den Fortgang der Bürokratie sei das zu Jahresbeginn in Kraft getretene Versorgungsstrukturgesetz, das mit weiteren Regularien und Gremien den Verwaltungsinput auf allen Ebenen des Gesundheitswesens treibe.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

15:41Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort rund neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. Zwei Gründe sind dafür ausschlaggebend. mehr »

Bangen und Hoffen bei Auslands-Briten

Das Ringen um einen Brexit-Vertrag geht auf die Zielgerade. Doch für EU-Bürger auf der Insel und Auslands-Briten ist es eine Zeit des Wartens. Das macht Großbritannien für qualifizierte Fachkräfte nicht attraktiver, meine unser Blogger Arndt Striegler. mehr »