Ärzte Zeitung, 24.01.2012
 

Heftiger Streit um ambulante Chemotherapie

Zwischen niedergelassenen Onkologen und Brustzentren schwelt in Hannover seit Jahren ein Streit über die Versorgung von Brustkrebspatientinnen. Für die Kliniken steht neben Umsatz auch die Zertifizierung auf dem Spiel.

Von Christian Beneker

Heftiger Streit um ambulante Chemotherapie

Chemotherapie: In Niedersachsen sorgt sich derzeit für Zündstoff.

© Mathias Ernert

HANNOVER/HAMELN. Wer darf ambulante Chemotherapien anbieten? In Hannover streiten rund 30 niedergelassene Onkologen mit vier Krankenhäusern, die in ihren Brustzentren Patientinnen ambulant chemotherapeutisch versorgen.

Das Volumen ist erheblich. Der Streit dreht sich nach Angaben des Niedersächsischen Ersatzkassenverbandes (vdek) um 400 Fälle pro Quartal. Für die Krankenhäuser steht neben dem Umsatz auch die Zertifizierung auf dem Spiel.

Denn um als Brustzentrum nach drei Jahren rezertifiziert zu werden, muss es laut Onkozert pro Jahr 150 Primär-Fälle vorweisen. 100 Primärfälle braucht es, um zum ersten Mal zertifiziert zu werden.

Der Streit schwelt bereits seit Ende 2010. Damals verlängerte der Zulassungsausschuss die Ermächtigungen der Ärzte von vier Brustzentren. Darauf legten rund 30 niedergelassene Onkologen beim Berufungsausschuss "Drittwiderspruch" ein, der vom Ausschuss abgelehnt wurde.

Die Kollegen klagten vor dem Sozialgericht Hannover. Sowohl Klage als auch Drittwiderspruch haben aufschiebende Wirkung. "Die stationären Mitbewerber sind damit für neue Patientinnen vorerst aus dem Rennen", so Hanno Kummer, Sprecher des vdek.

Kapazitäten woanders besser eingesetzt?

In Hameln liegen die Dinge ähnlich: Hier hat sich sogar eine Patienteninitiative gebildet, die sich für den Erhalt der Ermächtigungen im Sana Klinikum Hameln/Bad Pyrmont einsetzt.

Hier wurde allerdings eine Teillösung erzielt, nachdem die Klinik unter anderem auch den Patientenbeauftragten der Bundesregierung, Wolfgang Zöller (CSU), eingeschaltet hatte.

"Durch die Rücknahme des Widerspruchs verfügt das Hamelner Brustzentrum nun wieder über eine Ermächtigung zur Durchführung von Mammografien", so das Klinikum.

Das Problem trete immer dann auf, wenn sich in der Umgebung von Brustzentren entsprechende Spezialisten niederlassen, sagt Hanno Kummer.

Es gebe offenbar Kapazitäten, die woanders besser eingesetzt wären, "denn warum gehen die niedergelassenen Onkologen nicht gegen Kollegen vor, die sich zusätzlich niederlassen wollen, sondern nur gegen diejenigen aus den Brustzentren?"

Rechtlich indessen spricht viel für die Niedergelassenen. Detlef Haffke, Sprecher der KV Niedersachsen, argumentiert: "Es gilt nach wie vor ambulant vor stationär."

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