Ärzte Zeitung, 02.04.2012

Ärzte - Spitzenverdiener unter Akademikern

Ein Studium der Medizin oder Zahnmedizin rentiert sich: Absolventen dieser Fächer liegen mit ihrem Durchschnittsverdienst an der Spitze. Das zeigen aktuelle Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Von Monika Peichl

Ärzte: Spitzenverdiener unter Akademikern

Nach dem Studium können Ärzte zuversichtlich sein, einen guten Verdienst zu bekommen.

© Wodicka / panthermedia

FRANKFURT/MAIN. Zahnmediziner und Ärzte sind beim Verdienst pro Stunde unter Akademikern führend. Das zeigt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

Verglichen wurden Nettostundenlöhne von Personen mit Abitur, die entweder ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium (FH) oder aber eine Berufsausbildung absolviert haben.

Die Daten stammen aus dem Mikrozensus der Jahre 2005 bis 2008. Verwendet wurden die Angaben zum Nettoeinkommen aus dem Monat vor der Befragung - sofern das Einkommen aus Erwerbstätigkeit die Haupteinnahmequelle war.

Mit der Berechnung auf Stundenbasis wurden Verzerrungen durch Teilzeitarbeit beseitigt.

Sowohl abhängig Beschäftigte als auch Selbstständige waren einbezogen, wie Johanna Storck, Co-Autorin der Studie, auf Anfrage erläuterte.

Nettolohn von Abiturienten liegt im Schnitt bei zwölf Euro

Weil Akademiker wegen der längeren Ausbildungsdauer meist eine kürzere Erwerbstätigkeitsphase aufweisen als Absolventen nichtakademischer Ausbildungen, wurde der Stundenlohn über die maximal mögliche Erwerbsphase modelliert.

Der durchschnittliche Nettostundenlohn von Abiturienten nach der Ausbildung über das gesamte Berufsleben beträgt laut DIW-Studie zwölf Euro für Männer und neun Euro für Frauen.

Zahnärzte nehmen mit einem Nettostundenlohn von 19,33 Euro die Spitzenposition ein, gefolgt von Ärzten mit 17,77 Euro, Betriebswirten mit 16,58 Euro und Juristen mit 15,86 Euro.

Zahnärztinnen und Ärztinnen liegen ebenfalls auf den Plätzen eins und zwei, erzielen allerdings mit 15,50 Euro und 13,36 Euro geringere Nettostundenlöhne als ihre jeweiligen Kollegen.

Auf Platz drei und vier folgen Juristinnen mit 12,55 Euro und Lehrerinnen mit 11,51 Euro.

Risiko, unterdurchschnittlich zu verdienen, in Medizin gering

Zahnmedizin und Medizin sind zudem Fächer mit geringer Lohnspanne und damit geringem Risiko, einen unterdurchschnittlichen Lohn zu erzielen.

Andere akademische Fächer weisen eine breitere Palette an beruflichen Tätigkeiten auf, die auch unterhalb der Qualifikation angesiedelt sein können, und besitzen tendenziell ein höheres Risiko für niedrige Entlohnung oder Arbeitslosigkeit.

Männer mit Abschlüssen in Sozialarbeit (Uni und Fachhochschule), Geschichte, Regionalwissenschaften und Architektur (FH) verdienen im Vergleich der Akademiker am wenigsten.

Bei Frauen waren die wenig einträglichen Fächer Architektur (Fachhochschule), Bauingenieur (Uni und Fachhochschule) und Mathematik (FH). Der Einkommensvorsprung durch Studienabschluss gilt nicht für alle Fächer.

So können Versicherungskaufleute und Buchhalter höhere Nettostundenlöhne erreichen als Lehrer, Geisteswissenschaftler oder auch Absolventen einiger ingenieur- und naturwissenschaftlicher Fächer.

Hohe Stundenlöhne bekommt nicht jeder Studierte

Bezahlung pro Stunde in einem Lebenszeitmodell (netto)
UniversitätsabschlüsseErwarteter Netto-Stundenlohn MännerErwarteter Netto-Stundenlohn Frauen
Zahnmedizin19,33 Euro15,50 Euro
Medizin17,77 Euro13,36 Euro
Betriebswirtschaftslehre16,58 Euro10,00 Euro
Jura15,86 Euro12,55 Euro
Maschinenbau13,81 Euro  9,22 Euro
Mathematik13,71 Euro  9,81 Euro
Lehramt12,19 Euro 11,51Euro
Sozialarbeit  8,90 Euro  8,10 Euro
Quelle: DIW Wochenbericht Nr. 13.2012 - Tabelle: Ärzte Zeitung

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Medizinstudium lohnt sich

[03.04.2012, 10:41:45]
Dr. Jürgen Schmidt 
Das Papier nicht wert
Die vom DIW veröffenbtlichte 7-seitige Arbeit einer wissenschaftlichen Mitarbeiterin der London School of Economics und einer Doktorandin vom DIW soll nach Ansicht der Autoren, den Staat in die Lage versetzen, bedarfssteuernd in die Ausbildungsressourcen einzugreifen.

Zwar erfährt man einiges zur Methode der Erhebung, aber die Datenbasis, Selbstauskünfte aus dem Mikrozensus zum Einkommen, ist bereits recht schwach.

Weitere wesentliche Faktoren bleiben außen vor: Während das Einkommen eines angestellten Arztes weitgehend frei verfügbar ist, muss ein niedergelassener Arzt für Investitionen und deren Ersatz ansparen. Es wird immer wieder ausgeblendet (manchmal auch von der KBV bei so genannten betriebswirtschaftlichen Berechnungen) , dass die Abschreibung für Abnutzung nur eine maximale Steuerersparnis von ca 50 % darstellt, während der "Rest" einre Investition aus versteuertem Einkommen gezahlt wird.
Die Betrachtung von Einkommensunterschieden innerhalb eines akademischen Faches ist auch aus weiteren Gründen sehr viel komplexer, als es die Autoren darstellen und der Vergleich mit anderen akademischen Fächern ist schlicht das Papier nicht wert, auf dem es gedruckt worden ist. zum Beitrag »
[03.04.2012, 10:01:45]
Dr. Michael Schneider 
Einkommensstudie gegen den Ärztemangel?
Na schön, Ärzte sind angeblich Spitzenverdiener. Die Vertreter der gesetzlichen Krankenkassen haben somit wieder ein gutes Argument, uns Niedergelassenen den Geldhahn zuzudrehen.
Die Realität sieht doch anders aus. Zwölfstundentage sind auch in der Praxis die Normalität, viele unbezahlte Leistungen, ein ständig steigender Wust an Bürokratie, zunehmend aggressive Patienten und das allgegenwärtige Regressrisiko.
Als junger Assistenzartzt musste man sich selbst um seine Ausbildung kümmern, Fortbildungen wurden grundsätzlich nicht bezahlt, man wähnte sich glücklich, wenn man Sonderurlaub dafür erhielt.
Im gesamten Gesundheitswesen (und dies gilt besonders auch für die Pflege) herrscht keine Unternehmenskultur im Umgang mit den Mitarbeitern.
Meine drei Kinder haben das alles mit der Muttermilch aufgesogen (Vater Arzt, Mutter Krankenschwester - Höchststrafe). Die Konsequenz war klar: der Älteste ist als Ingenieur bei einem großen deutschen Automobilunternehmen und genießt hier neben 35-Stundenwoche im Gesundheitswesen unvorstellbare Mitarbeitervorteile. Die beiden jüngeren Kinder studieren BWL bzw. VWL. Medizin stand nie zur Debatte.
Solange sich im Gesundheitswesen keine Arbeits- und Mitarbeiterkultur etabliert, solange die dort Arbeitenden ausgelaugt und verschlissen werden, solange reicht auch ein vermeintlich fürstliches Gehalt nicht als Schmerzensgeld aus. zum Beitrag »
[03.04.2012, 08:07:46]
Dr. Günther Jonitz 
Arbeitszeit
ist die Arbeitszeit berücksichtigt worden? Was würde ein Lehrer verdienen, wenn er in einem Monat so viel arbeitet wie eigentlich in zwei?
Ist die Verantwortung berücksichtigt? Der Arzt greift in die körperliche Unversehrtheit ein, mit steigendem juristischem Risiko. zum Beitrag »

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