Ärzte Zeitung, 17.04.2012
 

Junge Ärzte rebellieren gegen KV-Praxis

Hausärzte in Potsdam begehren gegen die KV-Bereitschaftsdienstpraxis auf. Sie fürchten, dass gerade am späten Nachmittag die Patienten ausbleiben. Der Hausärzteverband geht noch weiter: er hält die Einrichtung für deplatziert.

Von Angela Mißlbeck

Junge Ärzte wehren sich gegen KV-Praxis

Die KV-Bereitschaftsdienstpraxis in Potsdam ist zum Zankapfel geworden: die KV sieht in der Einrichtung nur ein Pilotprojekt.

© wolterfoto / imago

POTSDAM. Die KV RegioMed Bereitschaftsdienstpraxis am Potsdamer St. Josef-Krankenhaus spaltet die Hausärzte in Potsdam. Eine Gruppe junger Ärzte fürchtet, dass Patienten lieber dorthin gehen als in ihre Praxen.

"Wir sind die ersten, die die Auswirkungen spüren", sagt Reinhard Schleuß. Zwischen 17 und 18 Uhr würden die Patienten ausbleiben. Dann öffnet die Bereitschaftsdienstpraxis.

20 bis 30 junge Ärzte und Ärztinnen, die sich zum Teil erst vor Kurzem in Potsdam niedergelassen hätten, sind nach Schleuß‘ Angaben betroffen.

Die Ärzte äußerten ihren Protest bei der letzten Vertreterversammlung der KV Brandenburg (KVBB).

Sie zeigten sich vor allem enttäuscht, dass sie nicht vorher informiert worden waren und forderten, die Öffnungszeiten der Bereitschaftsdienstpraxis besser an die der Arztpraxen anzupassen.

Generelle Kritik an dem Projekt äußerten der Gründungschef des neuen Brandenburger Hausärzteverbandes Dr. Johannes Becker und Vorstandsmitglied Dr. Hanjo Pohle.

Patienten von den Rettungsstellen fernhalten

Pohle verwies darauf, dass KV-Regiomed-Projekte nach Darstellung von KVBB-Chef Dr. Hans-Joachim Helming nur dann stattfinden sollten, wenn sie vor Ort gewollt würden und Bedarf bestehe.

"Beides ist hier in dem Fall nicht gegeben", so Pohle. Becker hält das Projekt in Potsdam für konträr zum KV-Regiomed-Konzept, das sich auf Regionen mit Versorgungs- und demografischen Problemen konzentrieren sollte. "Das hier ist nicht die richtige Zielregion", sagte er.

KVBB-Chef Helming verteidigte das Projekt und das Vorgehen. Dass Zustimmung und Bedarf nicht vorher abgefragt wurden, begründete er damit, dass es sich um ein Pilotprojekt handelt.

Der Standort Potsdam sei aber ideal gewählt, weil die Rettungsstellen der Krankenhäuser hohe Fallzahlen hätten. Ziel der Bereitschaftsdienstpraxis sei es, Patienten ohne lebensgefährliche Erkrankungen oder Verletzungen von den Rettungsstellen fernzuhalten.

Die Praxis sei ein "Pilotprojekt, das erst zeigen muss, ob es funktioniert". Angesichts der Häufigkeit der Inanspruchnahme sei die Einrichtung "derzeit definitiv keine Konkurrenz", so Helming.

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