Ärzte Zeitung, 23.04.2012

KVWL plant den Datenkraken

KVWL will bei Daten mit Kassen gleichziehen

Mit Versorgungsdaten sind die Kassen gegenüber den KVen bislang im Vorteil - sie speichern, was das Zeug hält und rechtlich erlaubt ist. Jetzt pocht die KV in Westfalen-Lippe auf Waffengleichheit - und will einen eigenen Datenpool aufbauen.

DORTMUND (iss). Die KV Westfalen-Lippe (KVWL) will informationstechnisch aufrüsten, um den Krankenkassen auf Augenhöhe zu begegnen. Sie plant den Aufbau einer großen internen Datenbank, die Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenführt.

"Wir werden künftig härter mit den Krankenkassen verhandeln müssen, und dafür brauchen wir Daten", sagte Vorstand Dr. Thomas Kriedel auf der Vertreterversammlung in Dortmund.

Die Kassen verfügten bereits heute über eine umfangreiche Datenbasis, um die Leistungen von Ärzten bewerten zu können, sagte Kriedel. So könnten sie sehen, wie hoch die Einschreibequote eines Netzes bei Disease Management Programmen oder die Diagnosequalität im Vergleich zum Rest der Ärzte ist.

Diese Informationen nutzten die Kassen in den Verhandlungen mit Ärztenetzen oder der KV. "Wir müssen gleichziehen und Waffengleichheit schaffen", sagte Kriedel.

Daten bislang schlecht strukturiert

Zwar verfüge die KVWL bereits heute über Daten zu Abrechnung, Sicherstellung oder Verordnungen, sie seien aber nicht verknüpft. Er hält es für notwendig, sie in einem sogenannten DataWarehouse zusammenzuführen.

Die Schaffung einer neuen Datenbasis und -qualität sei nicht nur für Vertrags- und Honorarverhandlungen wichtig, sondern auch für die regionale Sicherstellung. Die KVWL müsse feststellen können, welche Leistungen in einer Region abgerechnet werden.

"Das geht heute auch schon, muss aber per Hand gemacht werden." Neben eigenen Quellen will die KVWL auch externe Daten nutzen. "Wir werden versuchen, öffentlich zugängliche Krankenhausdaten mit einzubeziehen", sagte er.

Die Schaffung eines DataWarehouses für die KVWL sei mit personellem und finanziellem Aufwand verbunden, betonte Kriedel. "Dieses Konzept ist nicht zum Nulltarif zu haben." Über die genauen Dimensionen könne er aber noch nichts sagen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Datenanalyse dringend geboten

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