Ärzte Zeitung, 04.05.2012

Vertragsärzte wollen Streikrecht

Was an Kliniken erlaubt ist, soll niedergelassenen Ärzte nicht verboten sein: Fast alle Vertragsärzte plädieren laut einer Umfrage für das Streikrecht. Das will Medi jetzt juristisch prüfen lassen.

Medi: 96 Prozent der Vertragsärzte wollen Streikrecht

Ärztestreik: Was die Klinikkollegen dürfen, wollen auch viele Niedergelassene.

© dpa

STUTTGART (fst). Vertragsärzte wünschen sich nach einer Umfrage des Medi-Verbunds ganz überwiegend das Streikrecht.

Medi hat in einer Fax-Umfrage rund 43.000 Vertragsärzte in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz angeschrieben, 6609 haben geantwortet.

Knapp 96 Prozent (6343) sprechen sich für das Streikrecht aus, 125 Ärzte sind dagegen. Gefragt wurde zudem, ob Vertragsärzte eine bundesweite Befragung zu diesem Thema befürworten.

Hier votierten 6398 Teilnehmer mit Ja, 86 lehnen dies ab. Am stärksten war der Umfrage-Rücklauf im Medi-Stammland Baden-Württemberg, wo sich 3054 von 13.546 angeschriebenen Ärzten beteiligt haben (22,5 Prozent).

Der Medi-Vorsitzende Dr. Werner Baumgärtner wertet das Votum seiner Kollegen als "eindeutig". Man werde das Thema weiterverfolgen und juristisch prüfen lassen.

Medi fordert das Streikrecht für Vertragsärzte, weil der Kollektivvertrag durch Kliniköffnungen, Selektiv- und IV-Verträge ausgehöhlt worden sei.

[06.05.2012, 15:21:36]
Prof. Dr. Ingo Heberlein 
Zurück zu den Anfängen?
Bis 1913 gab es die Streikandrohung. Das haben sich die niedergelassenen Ärzte durch den gesicherten Status des Kassenarztes abkaufen lassen. Wohin soll jetzt die Reise gehen? Zurück zu den Wurzeln? Vertragsfreiheit? Einkaufsmodell? Auch dann gäbe es kein Streikrecht. Der niedergelassene Arzt ist kein Arbeitnehmer, sondern - kartellrechtlich - Unternehmer. Also ist der Streikaufruf ein Boykottaufruf und setzt das Kartellamt in Gang. Die haben sich mit den Vorgängen in Bayern bereits festgelegt und möchten gern die ganze Krankenversorgung wettbewerbsrechtlich überwachen. Ob das besser sein wird für die Ärzte und ihre Verbände als die heutige Situation?
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[04.05.2012, 23:26:00]
Peter Friemelt 
Wollen Sie sich nicht endlich anstellen lassen?
Dann ist das unternehmerische Risiko weg und dann gibt es endlich das Streikrecht. Der Marburger Bund wird die Gewerkschaft aller unterdrückten Ärzte, Einzelinteressen werden hinter das große ärztliche Ganze zurückgestellt, die gerechte Bezahlung kommt, denn die kann nur eine starke Partikulargewerkschaft zulasten der anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen durchsetzen. Rosige Aussichten für das Gesundheitswesen. Rosige Aussichten für Patienten.
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