Ärzte Zeitung, 22.05.2012

Porträt

Feldmann - eine beinharte Verhandlerin

Fünf Monate nach dem Rücktritt von Dr. Carl-Heinz-Müller als KBV-Vorstand ist das Amt wieder besetzt: mit der Allgemeinärztin Regina Feldmann. Beschrieben wird sie als warmherzige Frau - bloß beim Geld hört die Freundschaft auf.

Von Robert Büssow

"Warmherziger Mensch, beinharte Verhandlungspartnerin"

Regina Feldmann: im KBV-Vorstand angekommen.

© Bild13 / imago

WEIMAR. Wer Wegbegleiter nach der bisherigen Bilanz der Ära Feldmann in Thüringen fragt, muss sich auf ein längeres Gespräch einlassen.

Regina Feldmann ist seit 2001 im Vorstand der KV, vier Jahre später trat sie als erste Vorsitzende die Nachfolge von Karl Gröschel an.

In diesen Jahren hat sie viel erreicht für die Thüringer Ärzte, wie selbst auf Kassenseite, wenn auch ohne namentliche Nennung, mit Respekt anerkannt wird.

"Geradlinig, hart in der Sache, eine beinharte Verhandlungspartnerin", sagt ein Thüringer Kassenchef über die Allgemeinmedizinerin.

Was von ihr bleibt? Die höchste Vergütungssteigerung aller Bundesländer bei der Honorarreform 2009.

Mehr als 20 Prozent schlug Feldmann damals für die Thüringer heraus, legte sich dafür mit einem Bundesgesundheitsstaatssekretär an, und beseitigte so weitgehend den "anachronistischen Abstand West-Ost", wie sie sagte.

Feldmann, die vor einem Monat 59 Jahre alt wurde, ist Thüringerin mit Leib und Seele. Seit 1976 ist sie als Ärztin tätig, nach der Wiedervereinigung öffnete sie in Meiningen ihre eigene Hausarztpraxis.

Auch als KV-Chefin war es ihr wichtig, den Draht zur Basis nie abreißen zu lassen, weshalb sie bis heute regelmäßig Sprechstunde in der Praxis hält, die sie gemeinsam mit Jürgen Michalski betreibt.

"Beim Geld hört die Freundschaft auf"

Bereits 1995 wurde sie Mitglied der Vertreterversammlung, später Chefin des Thüringer Hausärzteverbands, dessen Posten sie abgab, als sie an die KV-Spitze rückte. Dem Verband ist sie noch als Beisitzerin im Vorstand erhalten geblieben.

Es wehte ein neuer Wind in der KV, als Feldmann 2005 von Gröschel, der nicht mehr antrat, gemeinsam mit der HNO-Ärztin Ellen Lundershausen den Vorsitz übernahm. Ihr mitunter kompromissloser Stil führte schnell zum Bruch mit Lundershausen, die nach kurzer Zeit entnervt hinwarf.

"Wenn man mit ihr einer Meinung ist, dann lebt es sich besser", sagt ein langjähriger Wegbegleiter schmunzelnd über Regina Feldmann. "Sie ist ein warmherziger Mensch, aber beim Geld hört die Freundschaft auf."

Als polarisierend wird sie häufig beschrieben. Voller Einsatz für die Hausärzte, aber auf Kosten der Fachärzte, so empfinden es jedenfalls diese.

"Es begann eine Kultur des permanenten Schiedsamtes" und der Gerichtsprozesse, mit den Kassen, aber auch KV gegen Fachärzte. Selbst KBV-Chef Köhler schaltete sich ein, um einen Honorarkonflikt zwischen Haus- und Fachärzten zu schlichten.

Die KV gilt als innerlich zerrissen, wie auch das zerrüttete Verhältnis zu ihrem zweiten Vorsitzenden Thomas Schröter zeigt. Der Internist aus Weimar wirft ihr einen konfrontativen Politikstil vor.

Man kann es auch anders sagen: Feldmann hat noch nie einen Konflikt gescheut, was in der Gesundheitspolitik wohl essentiell ist.

Gegen erheblichen inneren Widerstand setzte sie eine Notdienstreform in Thüringen durch, die inzwischen als bewährt gilt. Sie hat sich vehement gegen Selektivverträge gewehrt, weshalb sich diese am Ende nicht etablieren konnten.

Wortführerin unter den Ost-KVen

Und auch bei ihrem Hauptprojekt, dem Kampf gegen den drohenden Ärztemangel, hat sie Thüringen entscheidende Schritte voran gebracht: Gemeinsam mit der Landesregierung wurde eine Stiftung zur Förderung der ambulanten Versorgung eingerichtet, die unter anderem Stipendien vergibt.

Und die KV betreibt - inzwischen über die Stiftung - Eigeneinrichtungen, in denen junge Ärzte übergangsweise als Angestellte die Niederlassung in Thüringen testen können.

Dieses Modell ist quasi ihre Erfindung, die bei der Einführung noch ohne gesetzliche Grundlage bestand - und heute im Versorgungsstrukturgesetz kanonisiert ist.

Unter den Ost-KVen hat sich Feldmann schnell als Wortführerin etabliert, sie kämpft in der Lava-Front mit und weist mit Vehemenz auf die besondere Situation des überalterten Ostens hin.

Die Morbidität müsse noch stärker in der Vergütung berücksichtigt werden, lautet ihr Kampfruf. Gegen die Aussetzung des Morbiditätsfaktors in Röslers GKV-Finanzierungsgesetz ließ sie ein Rechtsgutachten erarbeiten, um die Verfassungswidrigkeit festzustellen.

Die Möglichkeit, die Honorare wieder nach regionalen Gesichtspunkten zu verteilen, nutzte Feldmann sofort.

Das alte RLV-System hatte seit 2009 zu nicht abgerufenen Honoraren bei den Hausärzten von jährlich rund 20 Millionen Euro geführt - und zu endlosen Debatten mit den Kassen. Das Problem hat die KV nun mit dem neuen Honorarsystem beseitigt.

Dass Feldmann nun, wo sie als stärkste Frau an die KBV-Spitze aufgerückt ist, Thüringen den Rücken kehrt, ist mehr als unwahrscheinlich - zumal Weimar auf dem Weg zwischen Meiningen und Berlin liegt.

Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD) wünscht ihr viel Erfolg: "Ich habe Frau Feldmann als engagierte und streitbare Interessenvertreterin der niedergelassenen Ärzteschaft kennen gelernt.

Sollte sie ihr beruflicher Weg zu mehr Verantwortung auf Bundesebene führen, dann hoffe ich, dass sie dort ihre an der Praxis orientierte Sichtweise einbringen kann."

Feldmann ist verheiratet und hat drei Kinder. Ihre Hobbys sind lesen, Sport, vor allem Schwimmen, ihre Familie und ihre Enkel.

Lesen Sie dazu auch:
Neue KBV-Vize Feldmann im Video-Interview
Kommentar: Frauenpower im KBV-Vorstand

[22.05.2012, 12:08:17]
Dr. Birgit Bauer 
Gratulation !
Mit Frau Feldmann haben die Hausärzte eine tatsächlich streitbare Vertreterin auf Bundesebene bekommen, aber ACHTUNG ! Fachärzte aufgepasst,
in Thüringen laufen die Sympathien von Fr.Kollegin Feldmann ziemlich einseitig in die Hausarztrichtung.Der Arztberuf als Freiberufler hat m.E. allerdings nur Chancen, wenn Hausärzte und Fachärzte zu einem fairen miteinander finden.
M.f.G. B.Bauer zum Beitrag »

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