Ärzte Zeitung, 04.09.2012

Honorarstreit

KV Nordrhein will Leistungen streichen

Keine kostenlose Mehrarbeit: Die KV am Niederrhein reagiert auf den strittigen Beschluss zum Orientierungswert und ruft den Ausschuss für Honorarverteilung zu einer Sondersitzung ein. Das Ziel: Ein neuer HvM, in dem jede fünfte Leistung gestrichen wird.

KV Nordrhein will jede fünfte Leistung streichen

KVNo-Chef Dr. Peter Potthoff.

© Ilse Schlingensiepen

KÖLN (iss). Bleibt es dabei, dass die Krankenkassen den Ärzten für 2012 nur einen geringen Honorarzuwachs zugestehen, werden die Vertragsärzte in der KV Nordrhein (KVNo) ihr Leistungsangebot um 20 Prozent herunter fahren.

Das sind die Leistungen, die innerhalb der Regelleistungsvolumina nicht bezahlt werden.

Der KVNo-Vorstand hat den Ausschuss für Honorarverteilung für den 10. September zu einer Sondersitzung einberufen. Er soll ein Konzept für einen neuen Honorarverteilungsmaßstab (HVM) entwerfen, das auf der KVNo-Vertreterversammlung am 14. September zur Diskussion gestellt wird.

"Vor der Vertreterversammlung werden wir auch die Berufsverbände einladen, um gemeinsam mit ihnen zu erörtern, was zu tun ist", sagt der KVNo-Vorsitzende Dr. Peter Potthoff der "Ärzte Zeitung". Klar sei, dass es nicht mehr so weitergehen könne wie bisher.

Keine kostenlose Mehrarbeit

Der HVM müsse so geändert werden, dass Leistungen nicht mehr kostenlos erbracht werden müssen, sagt der Vorsitzende der KVNo-Vertreterversammlung Dr. Frank Bergmann.

"Wenn die Kassen nicht bereit sind, ambulante ärztliche Leistungen angemessen zu honorieren, müssen wir künftig verhindern, sie dafür auch noch mit kostenloser Mehrarbeit zu belohnen."

Die auf Bundesebene beschlossene unzureichende Erhöhung der Vergütung um 0,9 Prozent verschärfe die durch die unterdurchschnittliche Vergütung in Nordrhein verursachten Probleme, sagt Potthoff.

Die Ärzte müssten jetzt reagieren. "Wenn wir noch fünf Jahre weiter machen wie bisher, dann wird jeder fragen, wofür wir denn eine Konvergenz brauchen, da doch alles funktioniert."

Nun müsse ein Konzept gefunden werden, wie die Leistungsmenge gekürzt werden kann, ohne den Sicherstellungsauftrag zu gefährden.

Eine pauschale Schließung der Praxen zum Ende des Quartals sei keine Lösung, betont der KVNo-Chef. "Man kann aber darüber nachdenken, die Praxen zeitversetzt zu öffnen."

Die KVNo wolle auf jeden Fall mit den Regionalkassen im Gespräch bleiben, sagt Potthoff.

AOK: Konflikt nicht auf Rücken der Patienten austragen

Auf die Dialogbereitschaft setzt auch die größte rheinische Krankenkasse, die AOK Rheinland/Hamburg. "Wir wollen in den Verhandlungen die Möglichkeiten nutzen, die wir auf regionaler Ebene haben", sagt der Vorstandsvorsitzende Günter Wältermann.

Eins steht für ihn allerdings fest: "Der Konflikt, den wir zurzeit haben, darf nicht auf dem Rücken der Patienten ausgetragen werden."

Die Tatsache, dass die niedergelassenen Ärzte in Nordrhein im Schnitt eine geringere Vergütung erhalten als die Kollegen in anderen Bundesländern, sei vor allem darauf zurückzuführen, dass der Anteil der stationären Leistungen in der Region überdurchschnittlich hoch sei.

Nach Einschätzung von Wältermann können die Ärzte manche Probleme nur selbst lösen. "Sie müssen die Unwuchten aus dem System der Honorarverteilung bekommen." Notwendig sei eine stärkere Gewichtung der sprechenden Medizin.

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