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Ärzte Zeitung, 11.12.2012

Nordrhein

Künftig nur noch acht Notdienstbezirke

Unterschiedliche Kosten- und Dienstbelastung, wenig Transparenz: Diese Kritikpunkte will die KV Nordrhein mit ihrer Reform des Notdienstes ausmerzen. Die geplante Finanzierung stößt aber auf Widerstand.

Künftig nur noch acht Notdienstbezirke

Von Ilse Schlingensiepen

DÜSSELDORF. Der ärztliche Notdienst soll künftig in der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) einheitlicher und transparenter organisiert werden. Die KVNo-Vertreterversammlung hat die Eckpunkte für eine Neugestaltung beschlossen.

"Wir haben es mit einer sehr großen Vielfalt im Bereich des Notdienstes zu tun", sagte der KVNo-Vorsitzende Dr. Peter Potthoff bei der Vorstellung des geplanten Konzepts.

Nordrhein hat zurzeit 130 Notdienst- und 86 Fahrdienstbezirke. Es sind 78 Notdienstpraxen aktiv, außerdem 14 kinderärztliche und eine HNO-Notdienstpraxis.

In den Notdienstbezirken gebe es keine einheitlichen Strukturen, es fehle an Homogenität, sagte Potthoff. "Wir haben überwiegend Insellösungen."

Fahrdienst an professionelle Anbieter

Künftig soll es im Rheinland nur noch sieben oder acht Notdienstbezirke mit jeweils mehreren Notdienstpraxen geben, die mit einheitlichen Öffnungszeiten arbeiten.

Nach der Vorstellung des KVNo-Vorstands sollen Sitz- und Fahrdienst künftig getrennt werden, die Notdienstpraxen übernehmen die Sitzdienste.

Der Fahrdienst geht an professionelle Anbieter, die entsprechenden Aufträge werden ausgeschrieben. Die Notdienstzentrale wird nach dem Vorstands-Konzept die Fahrdienste zentral disponieren.

Künftig soll jeder nordrheinische Arzt einen einheitlichen Betrag zur Finanzierung des Notdienstes bezahlen. Um eine gleichmäßige Belastung aller Ärzte zu erreichen, sollen die Dienstpläne mit einem speziellen Computerprogramm zentral erstellt werden.

"Wir sind überzeugt davon, dass die Patienten und die Ärzte von den neuen Strukturen profitieren werden", sagte Potthoff. Die Reform trage auch der Tatsache Rechnung, dass es für die Vertragsärzte keine Präsenzpflicht mehr gibt.

Konträre Meinungen über das Konzept

Das Konzept stieß bei den Delegierten auf unterschiedliche Resonanz. "Wir können den Notdienst nicht so lassen, wie er im Moment ist", betonte der Hausarzt Dr. Andreas Marian. Ohne eine Reform werde es auf dem Land auf Dauer riesige Probleme geben, warnte er.

Marian schlug aber vor, die Kosten für den Notdienst nicht als Beiträge von den Ärzten zu erheben, sondern über die Verwaltungskosten zu bestreiten.

Auch der Augenarzt Dr. Ludger Wollring begrüßte die geplante Reform. "Der Notdienst ist zurzeit intransparent, sehr uneinheitlich und in vielen Dingen ungerecht." So gebe es viel zu große Unterschiede in der Kosten- und der Dienstbelastung.

"Das Konzept ist mit heißer Nadel gestrickt", kritisierte dagegen Hausarzt Dr. Ralph Krolewski. Es sei falsch, in eine Strukturreform einzutreten, bevor die Kosten transparent seien.

Die Reform werde von großen Teilen der Basis abgelehnt, berichtete die Nuklearmedizinerin Dr. Catherina Stauch. "Es ist bei den Leuten nicht nachgefragt worden, die die Strukturen in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut haben."

In geheimer Abstimmung sprachen sich schließlich 25 Delegierte dafür aus, die Reform auf Basis der vorgestellten Eckpunkte auf den Weg zu bringen. 17 Vertreter votierten dagegen, einer enthielt sich.

Keine Mehrheit fand der Wunsch von Delegierten des Hausärzteverbands und der Freien Ärzteschaft, das Thema in einer Sonder-VV ausführlich zu besprechen.

Künftig nur noch acht Notdienstbezirke

[11.12.2012, 09:56:28]
Dr. Frank Schlüter 
Ärzte zahlen für Ihre Patienten
"Künftig soll jeder nordrheinische Arzt einen einheitlichen Betrag zur Finanzierung des Notdienstes bezahlen"
Den Notdienst sollten diejenigen bezahlen, die ihn in Anspruch nehmen: Die Patienten (bzw deren Krankenkasse)und nicht die Ärte.
Aber die Denkweise hat ja Tradition: So zahlen Hausärte ja auch für die Hausbesuche, die sie selber ableisten. zum Beitrag »
[11.12.2012, 09:55:44]
Dr. Thomas Assmann 
Lieber gestern als morgen !!!!!!!
Die Reform des "Notdienstes" ist dringend notwendig!

Über die Finazierung mag man streiten, dass aber eine Reform
gerade zu zwingend ist, ist klar!

Auf dem Land säuft die Versorung gerade ab, und wenn wir das System
wetterfest machen wollen ist die Neuordung ein guter Plan !!!
Das die Kollegen und gersde die Fachärzte in der Stadt das andersehen mögen ist klar, aber wer versorgt die Menschen auf dem Land?!

Ich bin mit fast fünfzig Jahren einer der jüngsten,selbständigen Landärzte im Oberbergischen Kreis, die Dienstbelastung nimmt immer mehr zu, deswegen muß der Plan der KVNO schellsten umgesetzt werden, damit wir
noch eine mimimale Chance für Nachwuchs und für die Versorgung der Menschen bekommen.
 zum Beitrag »
[11.12.2012, 08:26:48]
Dr. jens wasserberg 
künftig Doppelte Kosten für die Ärzteschaft
Da die KVNO geplant hat, die Kosten für den Bereitschaftsdienst vom Honorar der Ärzteschaft als Kopfpauschale abzuziehen, müssen die Ärzte diese Kosten zweimal aufbringen. Zunächst müssen sie tagsüber Leistungen erbringen, mit denen sie dann die Kopfpauschalkosten im Bereitschaftsdienst nach Praxisschluss begleichen. Das ist unsinnig. Sinnvoller wäre es, die Kosten via Vorwegabzug vor Erstellung der RLVs zu erheben, so dass die Ärzte dieses Honorar nicht auch noch kostenlos zusätzlich erarbeiten müssten.
Auch ist es ungerecht, dass es eine Kopfpauschale geben soll, die die unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten der Ärzte nicht berücksichtigt. Der Laborarzt mit 1 Mio. Jahresumsatz bezahlt künftig dieselbe Umlage wie der HNO-Arzt, der aktuell vielleicht um das Überleben seiner Praxis kämpft. Auch das ist wenig gerecht.
Die Versorgungslücken in den Randbezirken werden mit diesem Konzept auch nicht wirklungsvoll angegangen, da es weiterhin so sein wird, dass man in den Städten deutlich mehr Geld im Bereitschaftsdienst verdienen wird, als man dies auf dem Land können wird. Eine angemessene Stundenpauschale würde da Abhilfe schaffen und nebenbei Fehlanreize im Honorarsystem beheben, die dem Bereitschaftsarzt eine Mengenausweitung zur Umsatzerweiterung aktuell vorgibt. Denn auch wenn kaum ein Patient den Notdienst aufsucht, so muss der Arzt trotzdem anwesend sein. Dafür wird er künftig keinen Cent erhalten. zum Beitrag »

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