Ärzte Zeitung, 31.01.2013

Versorgung auf dem Land

Ärztemangel trotz Subventionen?

Wie kann Versorgung in den Regionen organisiert werden? Im zweiten Jahr nach Start des Versorgungsstrukturgesetzes sind nun die Länder gefragt.

Von Thomas Trappe

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Links herum.

© Stephan Jansen / dpa

LEIPZIG. Der Freistaat Sachsen hat das Ziel im Blick, die sektorenübergreifende medizinische Versorgung zu stärken. Das erklärte die für Soziales zuständige Staatssekretärin Christine Clauß (CDU) kürzlich bei einer Tagung des des Bundesverbands Managed Care (BMC).

Clauß kündigte an, dass das Landesgremium aus Kammer-, Kassen-, KV-, Krankenhaus- und Regierungsvertretern ab Januar Konzepte für die regionale Versorgung erarbeiten werde.

Bisher habe Sachsen die Vorgaben aus dem Versorgungsstrukturgesetz - wozu auch die Einrichtung eines Landesgremiums gehört - umgesetzt, so Clauß.

Die Kassen lobten in Leipzig die Möglichkeiten der Regionalisierung im Versorgungsstrukturgesetz. Kassen, die KV und die Staatsregierung arbeiteten eng zusammen.

"So sollte es überall sein", sagte Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Barmer GEK.

Das Strukturgesetz ermögliche Ländern wie Sachsen mehr Interventionen in die Versorgung. So könnten beispielsweise Arztnetze oder kommunale Eigeneinrichtungen gefördert werden. Die Abschaffung der Residenzpflicht erleichtere die Versorgung auf dem Land.

Wirtschaftlicher Patienten-Bus

Und nicht zuletzt schaffe die Delegation ärztlicher Leistungen die vielerorts nötigen Handlungsspielräume. "Dies sollte stärker genutzt werden." Die gestärkten Länderrechte begrüßte Schlenker, er warnte allerdings auch vor einem "Flickenteppich".

Über Strategien zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung sprach Lutz Freiberg, Geschäftsführer der Innovativen Gesundheitsversorgung in Brandenburg (IGiB). Die IGiB wurde 2009 von der KV Brandenburg und der AOK ins Leben gerufen, um die Versorgung im ländlichen Bereich sicherzustellen.

Für Freiberg steht fest, dass Subventionen in Sachsen - wie auch anderswo - kaum gegen den Ärztemangel helfen würden. So sei es in mehreren Bundesländern üblich, Ärzte mit finanziellen Anreizen aufs Land zu locken - in den schwächsten Regionen blieben damit die Ärzte trotzdem aus.

"Konzepte zur Sicherstellung müssen sich finanziell tragen." Dass das grundsätzlich funktioniere, zeige das Projekt IGiB. "Alles, was wir machen, muss wirtschaftlich sein", sagte Freiberg.

Unter dieser Prämisse wird demnächst beispielsweise ein Patientenbus-Projekt im Kreis Märkisch-Oderland umgesetzt, das Patienten vom Land in zentrale Hausarztpraxen transportiert.

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