Ärzte Zeitung, 04.02.2013

Schleswig-Holstein

Kammer zweifelt an neuen Selbsttests

Mit neuen Selbsttest sollen Krankheiten schon zuhause erkannkt werden können. In den Markt steigt jetzt auch ein großer Verlag ein. Die Kammer in Schleswig-Holstein warnt vor trügerischer Sicherheit.

BAD SEGEBERG. Die Ärztekammer Schleswig-Holstein hat Bedenken gegen Selbsttest-Produkte, die seit wenigen Tagen in Apotheken verkauft werden. Dabei handelt es sich um Tests zur Heimanwendung, die die Burda News Group gemeinsam mit zwei Herstellern von Diagnostikprodukten unter der Marke "Focus Gesundheit" entwickelt hat.

Die Unternehmen wollen zunächst sieben verschiedene Selbsttests zur Heimanwendung anbieten, etwa Tests auf Darmkrebs, Diabetes oder Drogenkonsum.

"Wenn es um die korrekte Diagnose von Krankheiten geht, können Selbsttests die ärztliche Untersuchung und Beratung nicht ersetzen", warnte Ärztekammerpräsident Dr. Franz Bartmann.

Insbesondere ein für die Anwendung zu Hause bestimmter Test auf Darmkrebs ist aus Sicht der Ärztekammer gefährlich.

"Selbsttests können trotz TÜV-Siegel und richtiger Anleitung durch fehlerhafte Anwendung falsche Ergebnisse ergeben. Dadurch werden Menschen entweder grundlos in Unruhe versetzt oder - was im Endeffekt viel schlimmere Folgen haben kann - sie wiegen sich in falscher Sicherheit", sagte Bartmann.

Die Kammer empfahl Patienten stattdessen, regelmäßig die ärztlichen Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen wahrzunehmen. Vor allem den Drogen-Selbsttest hält die Kammer für fragwürdig.

"Wenn der Test dazu genutzt wird, Personen ohne deren Wissen oder ohne ihre Einwilligung auf den Konsum illegaler Drogen zu testen, ist das unzulässig und kann Betroffene leicht einem falschen Verdacht aussetzen", hieß es. (di)

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