Ärzte Zeitung, 12.02.2013

Verlängert

MoNi geht weiter auf Hausbesuch

Das "Modell Niedersachsen" funktioniert ähnlich wie Konzepte in anderen Regionen: Eine qualifizierte Mitarbeiterin entlastet den Hausarzt. Jetzt wurde das Projekt verlängert - zu wenige Praxen machen mit, zu wenige Daten liegen vor.

Von Christian Beneker

Schwester MoNi geht weiter auf Hausbesuch

VERAH heißt in Niedersachsen MoNi: Medizinische Fachangestellte aus vier Praxen in ländlichen Regionen machen Hausbesuche und erledigen dort vom Arzt delegierte Aufgaben.

© Christian Thiel / imago

HANNOVER. Das Modellprojekt MoNi (Modell Niedersachsen), in dem seit Ende 2010 ärztliche Leistungen auf Medizinische Fachangestellte (MFA) übertragen werden, ist um das Jahr 2013 verlängert worden.

Das teilte die KV Niedersachsen (KVN) mit. Grund für die Verlängerung dürfte auch der geringe Umfang des Projektes sein.

Auf die Projektverlängerung um ein Jahr haben sich die KV, das niedersächsische Sozialministerium sowie mehrere gesetzliche Krankenkassen verständigt.

"Ziel von MoNi ist es, den Beruf für Hausärzte in ländlichen Regionen attraktiver zu machen", erklärt die KV.

Nach dem "Modell Niedersachsen" werden damit auch im laufenden Jahr MFA aus je vier Arztpraxen in den ländlichen Regionen Vechta und in Schneverdingen im Heidekreis Hausbesuche bei Patienten machen.

Sie nehmen dabei vor Ort vom Arzt delegierbare Tätigkeiten selbstständig vor: Sie ziehen zum Beispiel Fäden, messen Blutdruck und Blutzucker, verabreichen Medikamente nach ärztlicher Verordnung, nehmen EKG-Messungen vor und bieten Beratungen zum gesunden Verhalten an.

Die Idee: Zeitdruck für Ärzte sinkt

Patienten werden auf diese Weise umfassend versorgt, erklärt die KV. Die Ärzte stünden nicht mehr unter ständigem Zeitdruck durch Hausbesuche. Für Hausärzte steige damit der Anreiz, sich in von Unterversorgung bedrohten Regionen Niedersachsens niederzulassen, so die Erwartungen der Initiatoren.

"Der Modellversuch hat bisher gezeigt, dass die Delegation ärztlicher Leistungen auf MFA funktioniert und dies von den Patienten positiv aufgenommen wird", meint KV-Vorstandschef Mark Barjenbruch.

Zurückhaltender schätzt die KV die Haltung der Kassen ein. In einer Mitteilung zum Projekt schreibt sie: "Für die beteiligten Krankenkassen und ihre Verbände kann die stärkere Einbeziehung qualifizierter und erfahrener nichtärztlicher Mitarbeiter durch die Delegation ärztlich verantworteter Leistungen eine sinnvolle Maßnahme zur Aufrechterhaltung einer guten ärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen sein."

Die Evaluation durch das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) in Berlin soll nun klären, ob MoNi sich rechnet und sich dauerhaft bewähren kann. Allerdings: Nach Informationen der "Ärzte Zeitung" fehlt es noch an Daten.

Projekt ist zu schmal aufgestellt

Das Projekt sollte wohl von vorneherein auf kleiner Flamme gekocht werden und ist für wirklich belastbare Ergebnisse einfach zu schmal aufgestellt, zudem es offenbar erst mit Verspätung in Schwung kam. Nun müssen die beteiligten vier Praxen ein weiteres Jahr Daten liefern, damit eine Einschätzung des Modells überhaupt möglich wird.

Bereits im vergangenen Sommer zeigte sich anhand der Zwischenbilanz, dass zwar gute Ergebnisse erzielt wurden. Aber jede der beteiligten Praxen konnte im Rahmen des MoNi-Projekts bis dahin nur 1,2 Hausbesuche pro Tag realisieren.

Schon damals wünschte sich die KV eine Ausdehnung auf mehr Praxen, Pflegeheime und Kassen, denn die Ersatzkassen machten zum Beispiel nicht mit.

Aber eine solche Ausweitung ist derzeit nicht in Sicht. Die Ersatzkassen sind bis heute abstinent. Offen ist auch, ob sich weitere Hausärzte finden, um versuchshalber ihre MFA mit erweiterten Aufgaben auf Hausbesuche zu schicken.

Als das Projekt startete, meldeten sich nur jene Ärzte, die heute auch noch mitmachen. Kurz: Dem Projekt fehlt der Saft.

Entsprechend sind die Investitionen: "Für das Projekt MoNi ist eine Obergrenze von 100.000 Euro pro Kalenderjahr vereinbart", teilt die AOK Niedersachsen mit.

Grob gesprochen verteilen sich die Gesamtkosten zu 20 Prozent auf die KV und zu 80 Prozent auf die beteiligten Krankenkassen, davon rund die Hälfte von der AOK Niedersachsen.

Das Land ist finanziell nicht beteiligt, berichtet die Kasse. Für die 61.000 Euro teure Evaluation legt das Land aber 30.000 Euro Zuschuss auf dem Tisch, den Rest teilen sich KV und Kassen.

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