Ärzte Zeitung, 20.02.2013

BÄK fordert

Gendiagnostikgesetz soll auf den Prüfstand

Medizinische Fachgesellschaft und die BÄK drängen darauf, das Gendiagnostikgesetz zu entschlacken.

BERLIN. Das Gendiagnostikgesetz muss zwei Jahre nach seinem Inkrafttreten dringend überarbeitet werden. Diese Auffassung haben Bundesärztekammer und sieben Fachgesellschaften vertreten.

Viele organisatorische und strukturelle Vorgaben erschwerten die genetische Diagnostik, heißt es in dem am Dienstag veröffentlichten Positionspapier.

Darin beklagen BÄK und Fachgesellschaften die mit dem Gesetz einhergehenden Rechtsunsicherheiten. So müsse vor allem die "breite Definition genetischer Untersuchungen" in Paragraf 3 überarbeitet werden, da nicht immer eindeutig bestimmbar sei, ob eine Untersuchung vom Gesetz erfasst werde oder nicht.

Als "artifiziell" bezeichnen die Autoren die Unterscheidung von genetischer und nicht-genetischer pränataler Diagnostik im Gesetz, die in "der Praxis nicht umsetzbar" sei.

Neugeborenen-Screening soll ausgeklammert werden

Auf harsche Kritik trifft die Arbeit der Gendiagnostik-Kommission (GEKO) beim Robert Koch-Institut. Der GEKO wird mangelnde Kooperationsfähigkeit und "fachliche Unausgewogenheit" attestiert.

Aufgabe der Kommission ist es, durch Richtlinien das Gendiagnostikgesetz umsetzbar zu machen. Dies sei aber besonders bei den Vorgaben über die Qualifikation zur und Inhalte der genetischen Beratung nicht gelungen, heißt es.

Bezweifelt wird in dem Papier schließlich, ob genetische Untersuchungen überhaupt noch in einem Spezialgesetz geregelt werden müssen.

Die BÄK und die Fachgesellschaften werben dafür, "eindeutig diagnostische und therapeutisch-prognostisch für das Individuum relevante genetische Untersuchungen" aus dem Anwendungsbereich des Gesetzes auszuklammern.

Als Beispiel wird das Neugeborenen-Screening angeführt. Gleiches sollte für die Diagnostik multifaktorieller Erkrankungen gelten.

Die Regelungen für prädiktive genetische Untersuchungen sollten nur dann gelten, wenn eine diagnostische genetische Untersuchung einen Nebenbefund ergibt, der prädiktive Bedeutung für den Patienten oder seine Angehörigen hat. (fst)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Merkel beansprucht Führung weiter für sich

Drastische Einbußen, aber immer noch vorn: Die Wähler versetzen der Union einen Kinnhaken. Die große Koalition scheint passé. Auch die Umfrageteilnehmer der "Ärzte Zeitung" hatten bereits im Vorfeld eine neue "GroKo" abgelehnt. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »