Ärzte Zeitung, 27.02.2013
 

EBM-Reform

KV Hessen stellt sich gegen KBV

Mehr Transparenz und mehr Honorargerechtigkeit für hessische Ärzte: Das sind Ziele der neuen KV-Führung. Mit der KBV geht sie auf Konfrontation.

Von Rebecca Beerheide

KV Hessen stellt sich gegen KBV

Neues Duo: KV-Chef Frank Dastych (rechts) und KV-Vize Dr. Günter Haas kurz vor ihrer Wahl im Januar 2013.

© Beerheide

FRANKFURT/MAIN. Sichtlich gut gelaunt und redefreundlich präsentierte sich die neue Führungsspitze der KV Hessen am Dienstag in Frankfurt. Die neuen KV-Vorsitzenden, HNO-Arzt Frank Dastych und sein Vize, Hausarzt Dr. Günter Haas, wollen in den kommenden vier Jahren ihre Amtszeit die Honorarsituation in Hessen deutlich verbessern.

"Wir werden mit hinreichendem Nachdruck die Honorarforderungen gegenüber den Vertragspartnern durchsetzen", erklärte der neue KV-Vorsitzende Dastych in Frankfurt. "Die Fallwerte in Hessen sind von den wirtschaftlichen Entwicklungen im Land abgekoppelt", erklärte KV-Vize Haas.

"Wir zahlen massiv in den Länderfinanzausgleich ein und werden bei der Honorarverteilung ausgehungert." Laut KV liege Hessen bei der Honorarentwicklung und Umsatz inzwischen auf Platz 16, dahinter liege nur noch die KV Berlin.

Daher habe man auch nicht das "Luxusproblem, ein Hausarzt-EBM zu brauchen", erklärte Dastych im Hinblick auf die Diskussion um eine EBM-Reform und die KBV-Sitzung am kommenden Freitag. In Berlin wolle man sich geschlossen gegen einen Hausarzt-EBM einsetzen.

In drei Resolutionen der Vertreterversammlung am vergangenen Wochenende haben die VV-Mitglieder ihre Skepsis und Ablehnung gegenüber den Reformvorhaben der KBV zum Ausdruck gebracht.

Fairer Dialog mit den Kassen gefordert

"Neue Leistungen dürfen nur dann eingeführt werden, wenn dafür auch neues Geld bereit gestellt wird", heißt es dort. Die Einteilung in typische und atypische Hausärzte lehnt die KV grundsätzlich ab und fordert, "die Punktzahlbewertungen der hausärztlichen Basisleistungen bis zum 1. Juli anzupassen."

Ebenso kritisiert sie die zeitgleiche Reform des haus- und fachärztlichen Kapitels und fordert die Einführung frühestens ab 2014. Ebenso moniert sie die intransparente Informationspolitik des KBV-Vorsitzenden Dr. Andreas Köhler und den zu geringen Austausch mit den Landes-KVen.

Bei Transparenz und Austausch zwischen den Fachgruppen will die neue KV-Führung in ihren eigenen Amtsgeschäften deutlich aufholen. Nach den turbulenten vergangenen Monaten soll nun stärker mit den Mitgliedern und der Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Aus der Sicht von KV-Vize Haas soll die KV zu einem Serviceunternehmen für ihre Mitglieder werden. KV-Chef Dastych fordert die Ärzte auf, "kollektiv mehr gewerkschaftlich zu denken, um gemeinsame Ziele zu erreichen".

Das gelte auch für die derzeitigen Honorarverhandlungen mit den Kassen in Hessen. "Hier bleiben sie hinter den Bundesvorgaben zurück", so Dastych. Haas forderte einen "fairen Dialog" zwischen Ärzten und Kassen.

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