Ärzte Zeitung, 11.04.2013
 

Schmerzpatienten

"Organisierte Unterversorgung" angemahnt

In Brandenburg stößt Ärzten der Beschluss des Bewertungsausschusses zur periradikulären Therapie sauer auf. Sie fürchten, dass Patienten in dem Flächenland das Nachsehen haben.

POTSDAM. Als "organisierte Unterversorgung" kritisiert der Brandenburger Hausarzt Dr. Hanjo Pohle den Beschluss des Bewertungsausschusses zur periradikulären Therapie (PRT) von Schmerzpatienten.

Der Beschluss sieht vor, dass PRT seit April nur noch von zugelassenen Schmerztherapeuten per Überweisung an Radiologen im Rahmen einer multimodalen Therapie veranlasst werden darf. Hausärzte, Neurologen, Orthopäden dürfen PRT nicht mehr verordnen oder vornehmen.

Mit dieser Einschränkung soll die Mengenentwicklung bei PRT gebremst werden. "Die Häufigkeit der PRT ist medizinisch nicht nachvollziehbar. Deshalb soll durch die Überweisungsmodalitäten die Indikation enger gestellt werden", erläuterte Dr. Peter Noack, stellvertretender Vorsitzender der KV Brandenburg, die neue EBM-Regelung der Vertreterversammlung.

Pohle: Beschluss ein schlechtes Signal

Nach seinen Angaben haben die Vorstände der Regional-KVen ausdrücklich befürwortet, dass dieser Beschluss umgesetzt wird.

"Weder der GKV-Spitzenverband noch die KBV sehen Änderungsbedarf", sagte Noack. Auch der Verband der Schmerztherapeuten auf Bundesebene sehe kein Sicherstellungsproblem.

Der Allgemeinmediziner Pohle vertrat dagegen die Auffassung, der Beschluss widerspreche der Therapiefreiheit.

"In unserer Weiterbildungsordnung kann ich nicht erkennen, warum wir Hausärzte nicht in der Lage sein sollen, diese Indikation zu stellen", sagte er. Der Beschluss sei ein schlechtes Signal für die KBV-Forderung nach Therapiefreiheit.

Alternativregelung der KV Brandenburg?

Pohle warnt aber auch vor praktischen Umsetzungsschwierigkeiten. "Für unser Flächenland entsteht durch diesen Beschluss organisierte Unterversorgung", sagte er.

Er wies darauf hin, dass es in Brandenburg nicht viele Schmerztherapeuten gebe. "Es ist praktisch unmöglich dort jeden Patienten hinzuschicken, der von einer PRT profitieren würde", sagte er.

Andere Ärztevertreter stimmten ihm zu und wiesen zudem darauf hin, dass die Voraussetzung der multimodalen Schmerztherapie unter Einbezug von Psychotherapie in Brandenburg nur schwer erfüllt werden kann.

KV-Chef Helming kam zu dem Fazit: "Der Lösungsansatz kommt aus den Ballungszentren. Für diesen Problembereich ist er die richtige Antwort, aber nicht für uns".

Nicht ausgeschlossen ist, dass die KV Brandenburg nach einer Alternativregelung sucht. (ami)

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