Ärzte Zeitung, 15.05.2013
 

Neuer Hausarzt-EBM

Das Plus für Geriatrie fällt lau aus

Der Anreiz für geriatrische und palliative Leistungen sei für Hausärzte viel zu gering, wird vom sächsischen Hausärzteverband moniert. Das gehe zu Lasten der ländlichen Versorgung.

Von Thomas Trappe

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Betreuung älterer Patienten: Im EBM fehlen Anreize für das geriatrische Basisassessment.

© Alexander Raths / fotolia.com

CHEMNITZ/SIEBENLEHN. Der Hausärzteverband Sachsen hat bei seiner Frühjahrstagung in Siebenlehn mehr Unterstützung für geriatrische und die allgemeine ambulante Palliativversorgung gefordert.

Dipl.-Med. Ingrid Dänschel, Vorsitzende des Landes-Verbands und stellvertretende Bundesvorsitzende, begrüßte zwar, dass im neuen Hausarzt-EBM mehr Geld für geriatrische und palliativmedizinische Leistungen vorgesehen ist - der Betrag von rund 140 Millionen Euro sei allerdings viel zu gering.

"Vor allem Sachsen als ein demografisch sehr altes Bundesland ist davon betroffen", sagte Dänschel.

Nach ihrer Meinung wird es durch das zusätzliche Geld keine Verbesserung der geriatrischen Versorgung geben, betroffen wären vor allem die ländlichen Regionen.

"Bis jetzt verschwindet die EBM-Ziffer für geriatrisches Basisassessment im Regelleistungsvolumen. Das führt dazu, dass es nicht abgerechnet wird und damit auch kein Anreiz besteht, es durchzuführen", erklärte Dänschel der "Ärzte Zeitung".

Sie plädierte deshalb dafür, "das aus dem RLV als Einzelleistung herauszunehmen und extra zu vergüten". Analoge Regelungen "gibt es bereits für Hausarztbesuche".

Dänschel denkt an eine Quote von 30 bis 40 Behandlungen auf 1000 Patienten, vorausgesetzt, es handle sich vorrangig um Ältere, wie im ländlichen Sachsen üblich. Ähnliche Regeln seien auch für die ambulante Palliativversorgung denkbar.

Das HZV-Rat soll nicht zurückgedreht werden

"Das sind erfahrungsgemäß nicht mehr als vier Fälle pro Jahr. Dafür bedarf es keiner EBM-Änderung."

Bei der Frühjahrstagung wurde vom Vorstand des Verbands zudem angekündigt, dass demnächst ein Vertrag mit der IKK classic zur Hausarztzentrierten Versorgung (HZV) abgeschlossen werde, derzeit warte man noch auf die Unterschrift der IKK.

Konkret wollte sich Ingrid Dänschel zum Vertragstext noch nicht äußern - allerdings machte sie deutlich, dass sich der neue HZV-Vertrag mit der IKK "sehr stark am Vorbild Baden-Württemberg orientiert".

Generell gebe es ein klares Bekenntnis zur HZV im Verband, so Dänschel. "Ich bin auch überzeugt, dass dieses Rad in Sachsen nicht mehr zurückgedreht wird."

In der Delegiertenversammlung wurde dann auch der Vorstand des sächsischen Verbands beauftragt, mit dem hessischen Verband und dem Vorstand der Hausärztlichen Vertragsgemeinschaft (HÄVG) "über die Einrichtung einer gemeinsamen Regionalvertretung der HÄVG zu verhandeln".

Dies sei angeraten, da sowohl in Hessen als auch in Sachsen im kommenden Jahr bei der Hausarztzentrierten Versorgung "Flächendeckung erreicht werden wird", und so zur "Abwicklung und Verbesserung des Services analog zu Baden-Württemberg eine Regionalvertretung der HÄVG erforderlich" wäre.

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