Ärzte Zeitung, 24.06.2013

Kommentar zum Frühchen-Beschluss

Mindestmengen-Coup

Von Anno Fricke

Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) ändert die Strategie. Wo sich Mindestmengen nicht durchsetzen lassen, fordert er mehr Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität.

Es ist dem unparteiischen Vorsitzenden des Gremiums, Josef Hecken, oft deutlich anzumerken, wie sehr es ihn wurmt, das das Bundessozialgericht seinen Vorstellungen zur Mindestmenge bei der Versorgung von Frühchen nicht gefolgt ist.

Das Gericht hatte die vom GBA zur Wahrung der Qualität der Versorgung dieser möglicherweise schwächsten Patientengruppe in unserem Gesundheitssystem festgelegte Mindestmenge von 30 gekippt. Zu viel, bestimmten die Richter in Kassel, 14 sollten reichen.

In der jüngsten Sitzung hat der GBA nun einen Strategiewechsel eingeleitet. Um die von Hecken bekämpfte "Gelegenheitsversorgung" auszuschließen, hat das Gremium die Anforderungen an die personelle Ausstattung von Perinatalzentren kurzerhand so hoch geschraubt, dass nicht mehr alle Geburtsabteilungen diesen Weg werden mitgehen können.

Die Mindestmenge wird damit, zumindest bei der Frühchenversorgung, zur nachgelagerten Ordnungseinheit in der Qualitätssicherung.

Diese Volte sieht nicht aus wie eine Eintagsfliege. Sie wird uns bei anderen Eingriffen wieder begegnen.

Lesen Sie dazu auch:
Versorgung von Frühchen: GBA schraubt Anforderungen hoch

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Drastisch veränderte Mundflora bei Krebs

Beim Plattenepithelkarzinom der Mundhöhle ist die Zusammensetzung des oralen Keimwelt im Vergleich zu Gesunden drastisch verschoben. mehr »

Engagement, das Früchte trägt

Jungen Menschen fehlt es an Gespür für ehrenamtliches Engagement? Ein Vorurteil, wie sich bei der Springer Medizin Gala gezeigt hat. Deutlich wurde auch, dass Engagement für Hilfsbedürftige auch den Sinn für das Politische schärft. mehr »

So wird Insulin für Diabetiker produziert

Hinter den Toren des Industrieparks Höchst bieten sich faszinierende Einblicke in die Welt der Hochleistungs-Biotechnologie: Milliarden von E.coli-Bakterien produzieren hier das für Diabetiker überlebenswichtige Insulin. mehr »