Ärzte Zeitung, 30.08.2013

Neuer EBM

Norden contra KBV

Starke Worte an die Adresse der KBV: Der neue EBM dividiere Haus- und Fachärzte auseinander und trage Unfrieden in die KVen. Im Fokus der Kritik: KBV-Vorstand Feldmann.

Von Dirk Schnack

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Ziehen an einem Strang - aber in verschiedene Richtungen: Nach Ansicht der KV Schleswig-Holstein geht mit dem neuen EBM die politische Absicht einher, Haus- und Fachärzte auseinanderzudividieren.

© Olly / fotolia.com

BAD SEGEBERG. Die Unzufriedenheit im Norden mit der KBV-Spitze wächst. Grund ist der neue EBM. Die schleswig-holsteinische Abgeordnetenversammlung fordert nun, den neuen EBM schon zum Jahresbeginn wieder außer Kraft zu setzen.

Auch die KV-Vorstandsvorsitzende Dr. Monika Schliffke hält nichts von dem neuen Werk. "Die politische Absicht des kompletten Auseinanderdividierens der Haus- und Fachärzteschaft lassen wir nicht zu. Wir wollen diesen Spaltpilz nicht", sagte Schliffke.

Der EBM sei weder im Interesse der Haus-, noch der Fachärzte und Psychotherapeuten. Sie kündigte eine deutliche Positionierung des KV-Vorstands in der KBV dazu an.

Schliffke sprach in Zusammenhang mit dem neuen EBM von einer "Kampfansage an die Fachärzte, Psychotherapeuten und die Hausärzte". An deren Adresse sagte sie ausdrücklich: "Glauben Sie nicht, man wolle Ihnen etwas Gutes tun." Stattdessen vermutet sie ein "bewusstes Hereintragen von Unfrieden in die KVen".

Besonders KBV-Vorstand Regina Feldmann steht in der Kritik. Schliffke sieht im EBM ein Politikum mit einer eindeutigen Aussage der Hausärztin Feldmann, und die lautet nach Ansicht der Hausärztin Schliffke: "Komplette institutionelle Trennung der Haus- und Fachärzteschaft in der KBV und in den KVen und nur ich und mein Hausarztboard wissen, was für Ärzte gut ist und bestimmen, wo der Weg lang geht."

Aufruf zur Einigkeit

Mit Blick auf die von ihr skizzierten Kritikpunkte und das erst im vergangenen Jahr gewählte KBV-Vorstandsmitglied führte Schliffke noch an: "Es ist schon bemerkenswert, was Frau Feldmann innerhalb eines Jahres erreicht hat."

Schliffkes Vorstandskollege Dr. Ralph Ennenbach sieht den neuen EBM in erster Linie von den KV-Vorsitzenden in den östlichen Bundesländern getragen und fragte: "Ist die KBV-Vorsitzende einer bestimmten Region verpflichtet?" Ärzte, die dennoch Erwartungen an den neuen EBM knüpfen, nahm er den Optimismus: "Glauben Sie nicht an ein Plus."

Eine Simulationsberechnung der Nord-KV hat ergeben, dass es große Voluminaverschiebungen zwischen den alten und neuen Versichertenpauschalen und etwas Verlust bei der Chronikerpauschale geben wird. Unterm Strich wird im hausärztlichen Versorgungsbereich ein Punktzahlverlust von 3,67 Prozent stehen - dagegen bleibt der Geldtopf unverändert.

Folge des neuen EBM könnte laut Schliffke außer der Gefahr einer zerstrittenen Ärzteschaft sein, dass aus fachübergreifenden Berufsausübungsgemeinschaften wieder Praxisgemeinschaften werden und dass dem teamorientierten ärztlichen Nachwuchs aus EBM-Gründen der inhaltliche Boden entzogen wird.

Schliffke rief deshalb die Ärzteschaft im Norden zur Einigkeit auf. Dies scheint bislang noch der Fall: die Forderung von Hausarzt Michael Sturm nach Aussetzung des neuen EBM wurde mit großer Mehrheit unterstützt. Die Abgeordneten sehen darin ein wichtiges Signal an die anderen KVen.

Anschließend wurde mit ebenso deutlicher Mehrheit ein neuer HVM verabschiedet, der verhindern soll, dass der neue EBM die befürchtete Wirkung entfaltet.

[31.08.2013, 06:20:41]
Dr. Wolfgang Bensch 
Honorarverhandlungen 2014
sind inzwischen angelaufen und "starke Worte" mit 3 Kernforderungen sind im Video von Herrn Köhler zu vernehmen:
https://www.youtube.com/watch?v=3UddkYfZU_s&feature=player_embedded&list=UUtto1UZ4VbfByvdrcPK0rTQ
Bei Nr.1 und Nr.2 wird der "Gesetzgeber" bzw. dessen Intention oder Willen angeführt ... wer immer auch diese Person sein mag. Nr. 3 ist nach Köhler am schwierigsten ... das ist die Nummer mit den "festen Preisen", die sozusagen von der "Ärzte-Opposition" der etablierten Funktionäre als Verhandlungsauftrag an die KBV-Spitze herangetragen wurde. zum Beitrag »
[30.08.2013, 08:21:27]
Dr. jens wasserberg 
Eher ein Geriatrie- als ein Hausarzt-EBM
Die Macher dieses EBMs haben vorrangig die Interessen der Regionen vor Augen gehabt, in denen die Bevölkerung überaltert ist. Die Behandlung von jüngeren Patienten, auch zum Hausarztberuf zwingend gehörend, wird noch weniger finanziell vergütet, als sie es schon heute ist. Man sehe nur auf die Homepage der KBV, die den neuen EBM ausschließlich mit einem geriatrischen Musterfall schmackhaft machen will.
Obendrein ist die Annahme, dass es zu einem Chronikeranstieg kommen wird, ohne den der neue EBM fast überall ein Minusgeschäft werden wird, wohl naiv. Aber warum fällt dies den KVen erst jetzt auf, wo doch zumindest eine mir völlig unerklärliche Mehrheit dereinst für dieses Machwerk gestimmt hat, OHNE irgendwelche belastbaren Daten zu haben ? Das KV-System hat abermalig bewiesen, dass es schlicht nicht kompetent ist, die eigenen Interessen zu vertreten. Wer im Blindflug einen EBM zulässt - und dann später grundlegende Planungen wieder fallen lassen will ( Ausbudgetierung ) - dem fehlt schlicht der Überblick und sollte durch geeigneteres Personal ersetzt werden.  zum Beitrag »

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