Ärzte Zeitung, 27.11.2013

Separatismus in der KBV

Scharfe Kritik an den Funktionären

Haus- und Fachärzte in Brandenburg registrieren die Querelen im Vorstand der KBV mit Befremden. Die eigentlichen Sachprobleme bleiben liegen, hieß es bei der jüngsten VV.

Von Angela Mißlbeck

puzzlebruecke-A.jpg

Das verbindende Glied wird in der KBV gesucht: In Brandenburg wird Sacharbeit eingefordert.

© bluedesign / fotolia.com

POTSDAM. Geschlossenheit in den Reihen der Haus- und Fachärzte hat die Vertreterversammlung der KV Brandenburg (KVBB) am Freitag demonstriert. Einstimmig und ohne Enthaltungen haben die 30 Vertreter dabei eine Resolution zum Erhalt der gemeinsamen Selbstverwaltung verabschiedet.

"Mit völligem Unverständnis" reagieren die Brandenburger Ärzte damit auf "die Separierungsbestrebungen von einzelnen Funktionären in der Vertreterversammlung der KBV.

Die angestrebte Strukturveränderung spiegle in keiner Weise die vernünftigen und zum Teil sehr guten Arbeitsbeziehungen zwischen dem hausärztlichen und dem fachärztlichen Versorgungsbereich wider.

"Das Problem liegt wohl in erster Linie auf der Ebene der Funktionäre", heißt es in der Resolution. Die Brandenburger Vertreter fordern die KBV-Versammlung darin auf, "sich wieder den wirklichen Problemen der Vertragsärzteschaft zuzuwenden".

Aus Brandenburger Sicht ist das in erster Linie der neue Hausarzt-EBM. Von einem "Skandal-EBM" sprach der Chef des Hausärzteverbands Brandenburg (HÄVBB) Dr. Johannes Becker.

"Ich muss fast täglich jemand beruhigen über seine erwarteten Honorarverluste. Vor diesem Hintergrund waren wir im Vorstand des HÄVBB entsetzt, dass das Hegemonialbestreben der Funktionäre dieses wichtige Thema verdrängt hat", sagte Becker.

Schwark unterstützte Antrag

Der Verband hatte die Trennungsbestrebungen in der KBV-Vertreterversammlung bereits in einer Erklärung kritisiert. "Ich bin dem Hausärzteverband Brandenburg sehr dankbar, dass er sich ganz klar zur gemeinsamen Selbstverwaltung bekennt", sagte der HNO-Arzt Dr. Gerald Gronke.

"Die ganze Geschichte zeigt, dass es ein riesiges Kommunikations- und Informationsdefizit gibt", sagte Dr. Hanjo Pohle, Vorstandsmitglied im HÄVBB. Er forderte Regularien und Prozesse, um in Zukunft sicherzustellen, dass die Basis frühzeitig informiert wird, was die Funktionäre planen.

Irritationen gab es in Brandenburg darüber, dass der Hausarzt im KV-Vorstand, Andreas Schwark, den Trennungsantrag der Hausärzte in der KBV unterstützt hat.

KVBB-Chef Dr. Hans-Joachim Helming übte daran scharfe Kritik. "Es gibt keine rein hausärztlichen Themen. Wir arbeiten funktional zusammen und haben die Strukturen funktional zusammen. Deswegen ist es Unsinn zu glauben, dass wir getrennte Gewalten unter einem Dach gestalten könnten", sagte er in Richtung seines Vorstandskollegen.

Schwark erläuterte zu seiner Rechtfertigung die KBV-Vorstandsstrukturen. Die beiden Grundsatzressorts der zwei Vorstände müssten entweder in der Geschäftsordnung abgebildet oder aufgelöst werden, forderte er.

"Fakt ist, dass zumindest einer von den beiden nicht mit dieser Geschäftsordnung einverstanden ist". Er schloss nicht aus, dass es damit zusammenhängt, dass zwei Hausärzte im KBV-Vorstand vor Frau Feldmann ihre Positionen aufgegeben haben.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »

Stotter-Therapie im virtuellen Raum

Geschätzt über 800.000 Bundesbürger stottern. Viele von ihnen ziehen sich komplett zurück, weil sie Ablehnung fürchten. Ein Ausweg: Therapie-Methoden, bei denen man zunächst zu Hause sprechen übt – online. mehr »