Ärzte Zeitung, 17.03.2014

Dryden

Arzthonorar "billiger als die Handyflatrate"

In Westfalen-Lippe lässt KV-Chef Dryden nicht locker bei dem Versuch, regionale Unterschiede in der Honorierung anzuprangern.

DORTMUND. Die Honorierung der niedergelassenen Ärzte funktioniert wie eine Handyflatrate: Die Krankenkassen zahlen einen festen Betrag pro Jahr, und die Versicherten können die ambulanten ärztlichen Leistungen dafür unbegrenzt in Anspruch nehmen. Diesen Vergleich hat der Vorsitzende der KV Westfalen-Lippe (KVWL) Dr. Wolfgang-Axel Dryden auf der Vertreterversammlung in Dortmund gezogen.

"Interessant ist es, das Preis-Leistungs-Verhältnis zu betrachten", sagte er. Bei Handytarifen gebe es ein Smartphone und eine Allnet-Flat inklusive mobilem Surfen für 330 bis 480 Euro im Jahr.

"Unsere Flatrate in Westfalen-Lippe beträgt unter Ausblendung der psychotherapeutischen Leistungen derzeit 301,83 Euro", berichtete Dryden. Mit der Psychotherapie seien es 321,84 Euro je Versichertem und Jahr.

Für die von den Krankenkassen mit befreiender Wirkung gezahlte Gesamtvergütung bieten die Ärzte, so Dryden, "eine umfassende ärztliche Versorgung an sieben Tagen der Woche praktisch über 24 Stunden vom Wiederholungsrezept bis zu operativen Eingriffen, vom ärztlichen Gespräch über Hausbesuche bis hin zu hochtechnisierten Untersuchungen".

Wenn schon Flatrate, dann angemessen

301,83 Euro für alle Leistungen - das animierte Dryden zu einem weiteren Vergleich, dieses Mal aus der Werbung des pleite gegangenen Baumarktes Praktiker: "Für wirklich alles - außer Tiernahrung." Mit ihrem Billigangebot hätten sich die Kaufleute bei Praktiker verkalkuliert.

"Man kann wirtschaftlich nicht überleben, wenn man Waren oder Dienstleistungen ständig unter Preis anbietet, oder wie wir anbieten muss." Es bleibe abzuwarten, ob die ambulante medizin-ische Versorgung in Westfalen-Lippe den gleichen Weg nimmt wie die Baumarkt-Kette, sagte Dryden.

Der KVWL-Chef verwies auf die immer noch unter dem Bundesdurchschnitt liegende Vergütung in Westfalen-Lippe. "Wenn schon Flatrate, dann muss sie wenigstens angemessen sein", betonte er. Ein Gutachten von Professor Eberhard Wille und anderen habe belegt, dass die Honorar-Unterschiede zwischen den Regionen nicht gerechtfertigt seien.

Die Fakten lägen auf dem Tisch, jetzt wolle die KVWL die richtigen Konsequenzen sehen. "In dieser Forderung werden wir nicht nachlassen, bis die Ungerechtigkeiten beseitigt sind", kündigte Dryden an. (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »