Ärzte Zeitung, 07.11.2014

Kommentar zur Tarifeinheit

Freiheit des Nervens

Von Anno Fricke

Arbeitsministerin Andrea Nahles hat einen Gesetzesentwurf vorgelegt, mit dem die Koalition zum früheren Prinzip "ein Betrieb, ein Tarifvertrag" zurückkehren will.

Damit singt ausgerechnet eine SPD-Linke das Lied der Arbeitgeber. Die Spartengewerkschaften sollen untergebuttert werden, weil sie nerven.

Die vergleichsweise kleinen Interessengruppen von Lokführern, Piloten, aber auch Ärzten können ganze Infrastrukturen lahmlegen, wenn sie streiken. Diese Macht will die Regierung offenbar beschneiden.

Umgekehrt wird ein Schuh daraus. In einer sich ausdifferenzierenden Ökonomie vervielfältigen sich auch die Interessen der Arbeitnehmer. Deshalb gibt es überhaupt Spartengewerkschaften wie den Marburger Bund. Dieses Mehr an Wettbewerb um bessere Arbeitsbedingungen schadet nicht.

Selbst die ungeschickte Taktik der Lokführer führt nicht in die Katastrophe.

Eine freiheitliche Gesellschaft muss solche Entgleisungen aushalten. Die vom Grundgesetz garantierte Koalitionsfreiheit und die Tarifautonomie sind viel zu hohe Güter, um sie gegen ein Tarifmonopol von Arbeitgeberverband und DGB zu tauschen.

Deshalb darf man gespannt sein, was am Ende von den aktuellen Vorschlägen der Arbeitsministerin übrig bleiben wird.

Lesen Sie dazu auch:
Tarifeinheit: Marburger Bund sucht die Konfrontation

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Computervirus legt Klinik lahm

Das bayerische Klinikum Fürstenfeldbruck ist von einem Computervirus lahmgelegt worden. Es hatte sich daher auch von der Integrierten Leitstelle des Landkreises abgemeldet und nur dringende Notfälle aufgenommen. mehr »