Ärzte Zeitung App, 25.11.2014

Kammerwahl Nordrhein

Ärztinnen sind kaum repräsentiert

In Kliniken und Praxen arbeiten immer mehr Ärztinnen - nur in der Berufspolitik bleiben sie Ausnahmen. Jüngstes Beispiel: Die Nachwahl eines Vorstandsmitgliedes in der Kammer Nordrhein. Verbände äußern Kritik.

Von Ilse Schlingensiepen

Ärztinnen kaum repräsentiert

Immer mehr Ärztinnen sind in der Versorgung tätig. Nur wenige sind in der Berufspolitik präsent.

© pressmaster / fotolia.com

DÜSSELDORF. Der Vorstand der Ärztekammer Nordrhein (ÄKNo) soll Konzepte entwickeln, wie mehr Ärztinnen dazu gebracht werden können, sich in der Ärztekammer zu engagieren. Einen entsprechenden Antrag hat die Kammerversammlung mit großer Mehrheit verabschiedet. Die Delegierten ließen aber die Chance ungenutzt, bei der Nachwahl eines Vorstandsmitglieds eine dritte Frau in das 18-köpfige Gremium zu entsenden.

"Wir müssen uns bemühen, unsere Arbeit in der Kammer auch für junge Frauen interessant zu machen", warb Dr. Christiane Groß vom Marburger Bund (MB) für den Antrag, den sie in die Versammlung eingebracht hatte.

In Nordrhein sei zwar fast die Hälfte der Kammermitglieder weiblich, in der Kammerversammlung betrage der Frauenanteil aber gerade einmal 18 Prozent, beklagte die Vizepräsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes.

Dass es auch anders gehe, zeige das Beispiel Schleswig-Holstein mit 40 Prozent Frauen in der Kammerversammlung. Man dürfe nicht warten, bis sich daran von selbst etwas ändert, sondern müsse jetzt aktiv für eine stärkere Beteiligung von Frauen werben, forderte sie.

MB verpasst, Signal zu senden

In Nordrhein müssten sich die Verhältnisse schnell ändern, forderte auch die Burscheider Hausärztin Barbara vom Stein. "Man sollte in den Wahllisten abwechselnd einen Mann und eine Frau aufstellen und die Listen schließen, wenn es keinen Proporz mehr gibt", schlug sie vor.

Dr. Christian Köhne, einer der beiden MB-Fraktionsvorsitzenden in Nordrhein und Mitglied des ÄKNo-Vorstands, unterstützte das Anliegen. "Der Vorstand und alle Fraktionen müssen sich mit der Aufgabe beschäftigen, damit wir in fünf Jahren hoffentlich eine ausgeglichenere Kammerversammlung haben", sagte er.

Bei der Nachwahl für den Vorstand, die durch den Rückzug von Professor Gisbert Knichwitz (MB) notwendig geworden war, verpasste der MB allerdings die Chance, ein entsprechendes Signal auszusenden, und schickte mit dem Bonner Klinikarzt Ingo Heinze erneut einen Mann ins Rennen.

"Unkollegial und unfair"

Das Ärztebündnis Nordrhein (ÄBN), das durch einen Fraktionswechsler von 40 auf 41 Mitglieder angewachsen ist, machte wie schon bei der konstituierenden Kammerversammlung einen zusätzlichen Vorstandsposten für sich geltend. Vier Vertreter des ÄNB sitzen im Vorstand.

Die Fraktion VoxMed, zu der unter anderem der Hausärzteverband gehört, ist 27 Köpfe stark und mit dem Vizepräsidenten und ebenfalls vier Beisitzern im Vorstand vertreten. Die Fraktion des MB hat 53 Mitglieder und stellt neben dem Präsidenten acht Beisitzer. In Nordrhein werden traditionell alle Fraktionen an der Vorstandsarbeit beteiligt.

Die von der Koalition aus MB und VoxMed beschlossene Verteilung der Vorstandsposten bezeichnete der ÄNB-Vorsitzende Dr. Lothar Rütz als "unkollegial und unfair". "Demokratie bedeutet Minderheitenschutz, angemessene Beteiligung, Transparenz und auch Zivilcourage", sagte Rütz.

Für seine Fraktion kandidierte Hausärztin vom Stein. Sie konnte aber nur 37 der 105 Stimmen auf sich vereinigen. Heinze erhielt 64 Stimmen, vier Delegierte enthielten sich.

"Das höchste Gremium der verfassten Ärzteschaft in Nordrhein hat sich vom bisherigen innerärztlichen Konsens ohne Not verabschiedet, anstatt durch einen überzeugenden Beweis der Einigkeit der Politik Paroli zu bieten", kritisierte das ÄNB nach der Wahl in einer Erklärung.

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