Ärzte Zeitung, 20.04.2015

Psychiatrie

Bessere Vergütung angemahnt

Viele Psychiater steigen aus Regelversorgung aus: Der Chef des Berufsverbands der Nervenärzte übt Kritik.

KÖLN. Der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte Dr. Frank Bergmann hat eine bessere Vergütung psychiatrischer Leistungen angemahnt.

"Wir brauchen baldmöglichst eine Veränderung der Vergütungsstrukturen, damit wir den Exodus aus der Regelversorgung stoppen und die Kollegen motivieren können, psychiatrisch zu versorgen", mahnte Bergmann auf dem Neurologen- und Psychiatertag in Köln.

Die schlechte Honorierung psychiatrischer Leistungen führe dazu, dass viele Psychiater sich auf andere, finanziell attraktivere Bereiche konzentrierten.

So seien in Niedersachsen 45 Prozent der niedergelassenen Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie vor allem in der Psychotherapie tätig und stünden der psychiatrischen Regelversorgung nicht zur Verfügung. Das System lasse zu, dass die Psychiatrie unterfinanziert ist, kritisierte Bergmann.

"Man kann nicht über Versorgungsaufträge reden, die Ärzte aber auf der anderen Seite nicht bezahlen." Die schlechte Finanzierung gefährde die Modelle zur kooperativen Versorgung der Patienten. Es dürfe nicht passieren, dass die Ärzte fehlen, um sie umzusetzen.

Die schlechte Vergütung habe zur schlechten Versorgungslage von Menschen mit psychischen Erkrankungen beigetragen sagte er. Schließlich erhalte auch in Deutschland höchstens ein Drittel der betroffenen Patienten eine Therapie. "Da müsste eigentlich ein Aufschrei durch die Gesellschaft gehen."

Bergmann kritisierte, dass bei Nervenärzten, Neurologen und Psychiatern weiterhin eine Plausibilitätszeit von 20 Minuten auf das Tagesprofil angerechnet wird, wenn sie gleichzeitig die Grundpauschale und eine Gesprächsleistung abrechnen.

Notwendig sei eine Gleichbehandlung mit den Hausärzten, die das Gespräch auch bei zehnminütiger Dauer abrechnen können. (iss)

[08.05.2015, 11:46:31]
Andrea Gerber 
Schwierige Situation: Versorgung und Vergütung in der Psychiatrie
Die Situation in der psychiatrischen Versorgung in Deutschland ist problematisch. So bekommt nur höchstens ein Drittel der Erkrankten eine Therapie, betonte kürzlich der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte, Dr. Frank Bergmann. Seiner Ansicht nach hat die schlechte Vergütung zur schwierigen Versorgungslage beigetragen. Für die psychiatrischen Krankenhäuser wird seit Jahren versucht, die komplizierten Leistungen mit dem PEPP-System finanziell abzubilden.

Doch ob Depression, Schizophrenie oder Suchtprobleme - der Behandlungsverlauf ist oft schwer abzusehen. Die Patienten müssen oft Wochen oder Monate lang auf der psychiatrischen Station bleiben. Jeder bringt seine individuellen Voraussetzungen mit, nicht jeder Behandlungsansatz führt gleich zum Erfolg. Die Therapie einer psychischen Erkrankung ist meist komplizierter und schlechter planbar als die einer somatischen, was auch die Entwicklung und Einführung eines pauschalierenden Kalkulationssystems schwierig macht.
Daher hat der Gesetzgeber im Juli 2014 die Einführungsphase des neuen pauschalierenden Vergütungssystems für psychiatrische und psychosomatische Krankenhäuser und Fachabteilungen (PEPP) um zwei Jahre verlängert. So haben die Einrichtungen mehr Zeit, sich auf die obligatorische Einführung 2017 einzustellen.

Dennoch stellt die PEPP-Einführung alle psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen vor neue Herausforderungen. Insbesondere in der Administration sind neue Strukturen und Prozesse zu gestalten. So ist es entscheidend für die Häuser, auch für die Optionshäuser, rechtzeitig und umfassend auf das PEPP-System vorbereitet zu sein, um keine Verluste zu riskieren.

Andrea Gerber
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