Ärzte Zeitung, 27.04.2015

Frankfurt

Hausärzte geben sich kämpferisch

Der Hausärzteverband sieht sich in seiner Politik bestätigt. Doch wollen sich die Delegierten nicht ausruhen und rüsten sich für Diskussionen um den Begriff "Grundversorger" und die Förderprogramme für die Allgemeinmedizin, wie bei der Frühjahrstagung in Frankfurt deutlich wurde.

Von Rebecca Beerheide

FRANKFURT/MAIN. Die Verträge zur Hausarztzentrierten Versorgung sind etabliert, um das Förderprogramm der Allgemeinmedizin muss innerhalb der KBV und der KVen gekämpft werden, und neue Wege in der Nachwuchssicherung werden gesucht: Auf der Frühjahrestagung des Hausärzteverbandes in Frankfurt konnten die Delegierten Erfolge, aber auch künftige Debatten und Kämpfe klar benennen.

"Trotz erheblicher Widerstände ist die HzV unaufhaltsam zur bundesweiten Flächendeckung angewachsen", sagte Verbandsvorsitzender Ulrich Weigeldt vor den Delegierten. Gleichzeitig beklagte er, dass die Allgemeinmedizin in der fachärztlich geprägten Universitätsmedizin "zu Unrecht mit Herablassung und Geringschätzung" betrachtet werde.

Er warnte: "Die mangelnde Wertschätzung der Allgemeinmedizin an den Unis hat unmittelbare Auswirkung auf die Qualität der Versorgung."

"Wenig Enthusiasmus"

Auch in der "facharztdominierten Welt der ärztlichen Körperschaften" sieht Weigeldt "wenig Enthusiasmus" für die Förderung der Allgemeinmedizin. Dort werde "reflexartig" nach einer verpflichtenden ambulanten Weiterbildung gerufen.

"Aber Regina, da sind wir uns einig, wir öffnen das Förderprogramm nicht", rief Weigeldt der KBV-Vize Regina Feldmann zu, die als Hausärztin ebenfalls an der Frühjahrestagung teilnahm. Nach seiner Ansicht fühlten sich auch die Landesärztekammern berufen, sich in der Allgemeinmedizin zu engagieren - "aber von wenigen Ausnahmen abgesehen haben sie in den letzten 20 Jahren nichts in dieser Richtung unternommen", so Weigeldt.

Daher sind aus seiner Sicht nur der Hausärzteverband, gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM), Ansprechpartner für die Kompetenzen in der Weiterbildung.

Gleichzeitig sieht er starke Mitstreiter an der Seite der Hausärzte: So habe Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) angekündigt, dass er sich dafür einsetzen wolle, dass es in fünf Jahren an jeder medizinischen Fakultät einen Lehrstuhl für Allgemeinmedizin gebe, berichtete der Vorsitzende des Hausärzteverbandes.

Diese Forderung würden auch Mitglieder von Bundestag und Bundesrat sowie die Gesundheitspolitiker auf Bundes- und Landesebene unterstützen.

Debatte um Bundesmantelvertrag

Dennoch warnte er davor, dass auch "kluge Gesundheitspolitiker" den Begrifflichkeiten wie der Hausarzt als "Grundversorger" erliegen könnten. Dieser Begriff werde nach seiner Ansicht derzeit in der innerärztlichen Diskussion wieder erwähnt.

"Hausärzte werden mit dem unschuldig daher kommenden Begriff ‚Grundversorgung‘ versehen. Mit diesem Begriff wird suggeriert, dass das bisschen Hausarzt eigentlich jeder machen könnte", warnte Weigeldt.

Auch sieht der Vorsitzende des Hausärzteverbandes Gefahr bei aufflammenden Diskussionen über die Anlage 5 zum Bundesmantelvertrag. Dort wurde mit dem Gesundheitsstrukturgesetz von 1993 der Umfang der hausärztlichen Versorgung definiert.

Die bildet die Grundlage für Hausarztverträge, die seit 1994 möglich sind. Da der Gesetzgeber inzwischen die gesetzliche Definition der hausärztlichen Aufgaben und Funktionen nicht mehr für notwendig halte, entstünden nach Weigeldts Aussage erneut Diskussionen: "Wenn jetzt über die Anlage 5 zum Bundesmantelvertrag diskutiert wird, werden wir aufpassen müssen, dass der Umfang der hausärztlichen Medizin nicht durch Sonderbestimmungen geschmälert wird", so Weigeldt.

In der Debatte regten einige Delegierte eine Diskussion über den Quereinstieg an. "Das sind die Ärzte, die motiviert sind und sich ganz bewusst für eine Tätigkeit als Hausarzt entscheiden", sagte Ingrid Dänschel, Vorsitzende des Sächsischen Hausärzteverbandes.

"Diese Kollegen werden aber speziell von der Sächsischen Landesärztekammer gequält", so Dänschel weiter.

Dem Eindruck, die Gesundheitspolitiker stehen auf der Seite der Hausärzte, widersprach KBV-Vize Regina Feldmann.

"Wir haben in der Politik nicht die Lobby, die wir brauchen. Es ist für mich erschreckend, zu sehen, dass die Fachärzte es schaffen, den Minister mit einer Weiterbildung für Hausärzte von drei Jahren zu beeindrucken", sagte sie in Frankfurt.

Der Vorsitzende des bayerischen Hausärzteverbandes sprach den Delegierten zwölf Jahre nach dem Beschluss zur eigenen Vertragsgestaltung Mut zu. "Wir müssen unsere Einheit bewahren. Erst durch die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft sind wir mächtig geworden und diese Macht müssen wir uns erhalten", so Dr. Dieter Geis.

Mehr Mut und weniger Trübsal forderte auch Dr. Berthold Dietsche, Vorsitzender des Landesverbands Baden-Württemberg. "Wir haben mit der HzV viele unserer Ziele erreicht."

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