Ärzte Zeitung, 08.05.2015

Psychotherapeuten

Kampf um höhere Honorare

Seit mehr als 15 Jahren streiten Psychotherapeuten für höhere Honorare - am Montag auch vor der KBV-VV. Durch den aktuellen Honorarbericht sehen sie sich in ihren Argumenten bestätigt.

FRANKFURT/MAIN. Mehrere Berufsverbände und Fachgesellschaften aus den Fachgruppen der Psychotherapeuten, Psychiater und Nervenärzte wollen am Montag vor der KBV-Vertretersammlung in Frankfurt gegen eine ungerechte Honorarverteilung im KV-System demonstrieren.

Die Initiatoren des Aktionstages Psychotherapie sehen sich durch die Veröffentlichung des Honorarberichts der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zum 4. Quartal 2013 voll bestätigt.

Der Bericht hatte ergeben, dass der Überschuss je Arzt aus vertragsärztlicher und -psychotherapeutischer Tätigkeit bei den Psychotherapeuten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 2,3 Prozent auf 13.078 Euro gestiegen war.

Damit lagen die ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten 50 Prozent unter dem Durchschnitt aller Ärzte (26.948 Euro). Der Abstand hat sich zudem weiter vergrößert, da die Steigerungsraten aller Ärzte exakt bei vier Prozent lagen.

"Deutlicher kann die Ungerechtigkeit nicht dargestellt werden", empört sich die Landesvorsitzende Hessen der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) Dipl.-Psych. Else Döring in einer Pressemitteilung.

"Genau dagegen werden wir uns so lange wehren, bis die Honorierung der Bedeutung unserer Arbeit für unsere Patienten entspricht".

Vorgaben 1999 gesetzt

Die Vorgaben für eine gerechte Honorierung der Psychotherapeuten hat das Bundessozialgericht (BSG) in mehreren Urteilen seit 1999 gesetzt.

Demnach müsse ein Psychotherapeut "bei maximalem Arbeitseinsatz und optimaler Praxisorganisation mindestens ein durchschnittliches Einkommen vergleichbarer Facharztgruppen erzielen können", so Dieter Best, Honorarexperte und stellvertretender Bundesvorsitzender der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Gerade die Verbände aber, mit denen das Bundessozialgericht die Psychotherapeuten verglichen habe, zum Beispiel Gynäkologen, HNO-Ärzte, Urologen, hätten laut Honorarbericht aber im Schnitt um 7,2 Prozent zugelegt, also deutlich mehr als die Psychotherapeuten.

Auch das Argument, das Mindereinkommen sei auf kürzere Arbeitszeiten bei den Psychotherapeuten zurückzuführen, lässt Best nicht gelten: Gemäß Jahresbericht des Zentralinstituts der KBV (Zi) hätten Psychotherapeuten je Stunde Arbeitszeit lediglich "knapp mehr als die Hälfte aller Ärzte" verdient.

"Selbstverwaltung kriegt Honorarausgleich nicht hin"

"Die Selbstverwaltung kriegt den Honorarausgleich nicht hin", so die Einschätzung Bests. Im Bewertungsausschuss sieht er eine Interessenkoalition gegen die Psychotherapeuten, und generell gegen eine zuwendungsorientierte Medizin.

Das Grundproblem aus seiner Sicht ist, dass bei technischen Leistungen durch Delegation und durch Verdichtung das Einkommen gesteigert werden könne. Die Zeitvorgaben bei Gesprächsleistungen dagegen seien nicht flexibel: "Bei den Psychotherapeuten dauert eine Sitzung 50 Minuten, das kann nicht unterschritten werden."

Am Ende wird es wieder vor die Sozialgerichte gehen, fürchtet Best. Mit dem Aktionstag wollen die Psychotherapeuten schon vorher Bewegung in das Thema bringen. (ger)

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