Ärzte Zeitung, 11.06.2015

Kommentar zum VSG

Geringe Halbwertszeit

Von Florian Staeck

Der Abarbeitung ihres Koalitionsvertrags sind Union und SPD mit dem Versorgungsstärkungsgesetz (VSG) nähergekommen. Ob die am Donnerstag verabschiedete Reform auch das hält, was der Titel verspricht, ist indes zweifelhaft.

Zu sehr dominierte koalitionäre Kompromissbildung die Agenda: Weil die SPD keine Bürgerversicherung durchsetzen konnte, bekommt sie nun die Terminservicestellen. Und das zähe Gerangel um den Praxisaufkauf war von Allmachtsfantasien insbesondere der Kassen geprägt.

Unbekümmert wurde um Prozentwerte gefeilscht, wohlwissend, dass die Bedarfsplanung mit rechnerischen Größen operiert, die mit dem realem Versorgungsbedarf nichts zu tun haben.

Und wo sich die Koalition Versorgungsproblemen stellt -Beispiel Entlassmanagement -, bleibt es bei regulativem Klein-Klein. Positive Ausnahme im VSG ist die kräftige Förderung der Weiterbildung.

Unterm Strich wird die Halbwertszeit des VSG gering bleiben. Dafür sorgt schon die Koalition, die, wie auch bei anderen Gesundheitsgesetzen, freizügig mit den Finanzreserven der Kassen umgeht.

Weil deren Geldbunker bald leer sind und die Zusatzbeiträge steigen werden, zeichnet sich schon die nächste Reform ab. Die wird dann wieder "Kostendämpfung" im Titel tragen.

Lesen Sie dazu auch:
Bundestag: Versorgungsstärkungsgesetz ist beschlossen

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Weniger Kardiologen = mehr Herztote?

In Bundesländern mit weniger niedergelassenen Kardiologen sterben mehr Patienten an Herzerkrankungen, so der aktuelle Herzbericht. mehr »

Fehlerquelle Datenschutzerklärung

Die meisten Praxis-Websites von Haus- und Fachärzten erfüllen nicht die gesetzlichen Anforderungen. Das legt eine aktuelle Studie nah. mehr »

Nach einem Hörsturz ist das Schlaganfallrisiko erhöht

Nach einem Hörsturz haben Patienten ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. In einer südkoreanischen Studie war dies kontinuierlich über einen elfjährigen Nachbeobachtungszeitraum festzustellen. mehr »