Ärzte Zeitung online, 04.11.2015

Antibiotika

NRW will Verbrauch eindämmen

Ärzte in NRW verordnen bundesweit die meisten Antibiotika. Landesregierung und KVen wollen das gemeinsam ändern.

DÜSSELDORF. In Nordrhein-Westfalen verordnen Ärzte mit 17,3 Tagesdosen pro 1000 Einwohner und pro Tag überdurchschnittlich häufig Antibiotika. Damit liegt das bevölkerungsreichste Bundesland um rund 29 Prozent höher als der Bundesdurchschnitt.

Jede dritte Verordnung ist dabei nicht sinnvoll, etwa weil die Antibiotika bei Krankheiten eingesetzt werden, die durch Viren hervorgerufen werden.

Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) will die hohe Zahl der unnötig verordneten Antibiotika senken. Gemeinsam mit den Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein (KVNo) und Westfalen-Lippe (KVWL) hat sie die landesweite Kampagne "Nur wenn's Sinn macht - Antibiotika bewusst einsetzen" gestartet.

Aufklärungsplakate und Broschüren

"Bakterien werden zunehmend widerstandsfähig gegen Antibiotika, sodass die Medikamente nicht mehr wirken", sagte sie beim Start der Kampagnen im Düsseldorfer Landtag. "Gemeinsam mit der Ärzteschaft in Nordrhein-Westfalen wollen wir den Verbrauch von Antibiotika senken und das Risiko der Resistenzbildung reduzieren."

Im Rahmen der Aktion erhalten rund 17.000 Ärzte Aufklärungsplakate und Informationsbroschüren für die Patienten, die sie in ihren Wartezimmern auslegen oder aushängen können. "So gehen die Patienten gut vorbereitet in das Behandlungsgespräch, außerdem können die Materialien die Ärzte beim Patientengespräch unterstützen", sagte Steffens.

Dr. Wolfgang-Axel Dryden, Vorsitzender der KV Westfalen-Lippe, betonte: "Es geht uns nicht darum, Antibiotika zu verteufeln, richtig eingesetzt sind sie Lebensretter." Vielmehr sollten die Patienten für einen sinnvollen Umgang mit Antibiotika sensibilisiert werden.

Das sei nicht immer einfach. "Die Erwartungshaltung, ein Antibiotikum verschrieben zu bekommen, ist bei den Patienten enorm groß", sagte er. Die Kampagne könne Ärzten helfen, ihren Standpunkt durchzusetzen, wenn das Medikament nicht indiziert sei.

Aber auch die richtige Einnahme sei ein wichtiger Aspekt. "Damit sich möglichst wenige Resistenzen ausbilden können, muss das Antibiotikum gezielt zum Erreger passen und lange genug in der richtigen Dosierung eingenommen werden." Die Ärzte seien wichtige Multiplikatoren, um diese Informationen an die Patienten zu übermitteln. (acg)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welche Reformen sind dringend notwendig?

Bürgerversicherung, Regressrisiko, GOÄ: Unsere Leser haben abgestimmt, welche Themen in der Gesundheitspolitik die nächste Bundesregierung unbedingt anpacken sollte. mehr »

Patienten sollen für Infos zahlen

Patienten und Angehörige sind bei beratungsintensiven Erkrankungen häufig hilflos. Viele Akteure versuchen, neutrale Angebote im Internet bereitzustellen. Ein Biologe will nun Beteiligte auf einer Plattform zusammenführen. mehr »